Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, ist der Ansicht, dass den Frauen, die Donald Trump der sexuellen Belästigung beschuldigt haben, zugehört werden sollte. Sie sei "unglaublich stolz" auf all jene, die sich in den vergangenen Wochen getraut hätten, mit ihren Vorwürfen gegen Hollywood-Prominente und viele andere an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte Haley in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. "Und ich glaube, dass jede Frau, die sich auf irgendeine Weise verletzt oder misshandelt gefühlt hat, jedes Recht hat, sich zu äußern."

Mehr als zehn Frauen haben Trump sexuelle Übergriffe vorgeworfen und beziehen sich dabei auf Vorfälle, die sich vor Jahren abgespielt haben sollen. Die Sprecherin des Weißen Hauses hatte gesagt, das amerikanische Volk habe sich im November vergangenen Jahres für Trump als Präsidenten entschieden und damit die – vor der Wahl geäußerten – Anschuldigungen zu den Akten gelegt. Danach gefragt, ob sie das auch so sehe, sagte Haley: "Ich weiß, dass er gewählt worden ist. Aber Frauen sollten nie eine Scheu haben müssen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und wir alle sollten bereit sein, ihnen zuzuhören."

Franken, Conyers, Moore

Vorwürfe sexueller Übergriffe richteten sich in den USA zuletzt gegen Politiker beider Parteien. Der bekannte US-Senator Al Franken von den Demokraten kündigte vergangene Woche seinen Rücktritt an. Er begründete es damit, dass er sich wegen der von mehreren Frauen gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht mehr voll auf seine Aufgaben als Senator konzentrieren könne. Franken ist bereits der zweite Parlamentarier der Demokraten in wenigen Tagen, der wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung seinen Rückzug erklärt hat. Am Dienstag hatte das dienstälteste Mitglied des US-Kongresses, der 88-jährige John Conyers, wegen solcher Anschuldigungen seinen Wechsel in den Ruhestand erklärt.

Franken sagte, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hätten ihn schockiert und verstört. Allerdings verdienten es alle Frauen, angehört zu werden, und dass ihre Erfahrungen "ernst genommen werden". Der scheidende Senator beteuerte, einige der gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien "einfach nicht wahr", an andere der von den Frauen beschriebenen Erlebnisse habe er eine andere Erinnerung. In seine Rücktrittserklärung baute der Senator eine Spitze gegen Trump ein. Es liege eine "gewisse Ironie" darin, dass er seinen Hut nehme, während ein Mann, der sich mit sexuellen Attacken gebrüstet habe, "im Oval Office sitzt", sagte er. Damit bezog sich Franken auf den im Wahlkampf 2016 aufgetauchten Mitschnitt eines Gesprächs, in dem Trump damit geprahlt hatte, dass er sich als Prominenter bei Frauen alles erlauben könne – auch etwa, ihnen zwischen die Beine zu greifen.

Trump rief vergangene Woche zur Wahl des mit Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens konfrontierten republikanischen Kandidaten Roy Moore bei der Senatswahl in Alabama auf. "Wir können es uns nicht leisten, die Zukunft dieses Landes kann es sich nicht leisten, den Sitz zu verlieren", sagte Trump bei einer Kundgebung. Der 70-jährige Moore wird unter anderem beschuldigt, vor mehreren Jahrzehnten zwei Mädchen im Teenageralter missbraucht und sich um romantische Beziehungen mit mehreren weiteren bemüht zu haben. Moore hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Wahl in Alabama findet am Dienstag statt.