Die Entscheidung war schon im Juni 2016 knapp. Jetzt hat sich in einer Umfrage erstmals eine Mehrheit der Briten für einen Verbleib in der EU ausgesprochen: 51 Prozent sagten Nein zum Brexit, nur noch 41 Prozent waren dafür. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts BMG Research hervor, die die britischen Zeitung Independent veröffentlicht hat.

Die zehn Prozentpunkte Differenz sind der Studie zufolge der größte Abstand zwischen Brexit-Gegnern und -Befürwortern seit dem Referendum im Juni 2016. Die Frage, ob Großbritannien Mitglied der EU bleiben sollte oder nicht, beantworteten sieben Prozent mit "weiß nicht", ein Prozent antwortete gar nicht. Befragt wurden für die Studie 1.508 in Großbritannien lebende Erwachsene zwischen dem 5. und 8. Dezember 2017.

Vor allem ehemalige Nichtwähler seien verantwortlich dafür, dass der Abstand zwischen Brexit-Gegnern und -Befürwortern größer werde, sagte Studienleiter Michael Turner. Briten, die sich vor eineinhalb Jahren nicht an dem Referendum beteiligt hatten, stimmten nun mit großer Mehrheit für den Verbleib in der EU. Nur wenige der damaligen Wähler änderten ihre Meinung: Neun von zehn der Befürworter und Gegner blieben ihren Positionen treu. Zuletzt haben Brexit-Befürworter im Februar in Umfragen geführt, seitdem habe es eine langsame Verschiebung in der öffentlichen Meinung gegeben.

Am Freitag haben sich Staats- und Regierungschefs in Brüssel geeinigt, die zweite Phase der Brexit-Gespräche zu beginnen. Die britische Premierministerin Theresa May hat erhebliche Zugeständnisse – unter anderem bei finanziellen Fragen – gemacht, um die zweite Verhandlungsphase starten zu können.