Die Europäische Union hat die Ausweitung der Brexit-Verhandlungen gebilligt, um bis Herbst 2018 einen Vertrag über den Austritt Großbritanniens zu vereinbaren. Die Teilnehmer des EU-Gipfels in Brüssel gaben nun das Startsignal für die zweite Phase der Gespräche, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk via Twitter bekannt gab:

Jean-Claude Juncker geht davon aus, dass diese zweite Phase noch schwieriger wird als die erste. Der EU-Kommissionspräsident hatte vor einer Woche mit der britischen Premierministerin Theresa May erste Kompromisse zu wichtigen Trennungsfragen vereinbart. Dazu zählten Vereinbarungen zur irisch-nordirischen Grenze, zu den Rechten der EU-Bürger in Großbritannien sowie zu finanziellen Verpflichtungen des Landes nach dem Brexit 2019. May hatte erhebliche Zugeständnisse gemacht, um die zweite Verhandlungsphase starten zu können. 

Großbritannien will die künftige Partnerschaft zur EU rasch klären, doch die Briten müssen sich gedulden: In den nächsten Wochen soll zunächst nur über eine etwa zweijährige Übergangsphase nach dem Brexit gesprochen werden, dann über das Austrittsabkommen. Die EU will vor dem Brexit nur den Rahmen der künftigen Beziehungen in einer "politischen Erklärung" festlegen.

May hat schon angekündigt, dass ihr Land die EU, den Binnenmarkt und die Zollunion am 29. März 2019 verlassen wolle, aber weiterhin eine "tiefe und besondere Partnerschaft" zur EU anstrebe. Die EU machte bereits deutlich, den Briten nach dem Ausstieg jedoch nicht dieselben Vorteile zusprechen zu können, die sie als Mitglied hatten. Noch ist offen, unter welchen Bedingungen beide künftig Handel treiben und bei Sicherheit und anderen Fragen zusammenarbeiten werden. Die Bedingungen sind aber von großer Bedeutung für Wirtschaft, Verkehr und auch Millionen Bürger.

Vetorecht für Austrittsvertrag

May steht im eigenen Land enorm unter Druck. Sie versucht, eine Linie zwischen Brexit-Hardlinern und jenen, die einen weicheren EU-Ausstieg wollen, zu finden. Kurz vor dem Gipfel hatte die Regierungschefin im Unterhaus einen Dämpfer bekommen: Einige Abgeordnete ihrer konservativen Partei stimmten mit der Opposition, um ein Vetorecht über den Austrittsvertrag durchzusetzen. 

Mehrere EU-Staats- und Regierungschefs stärkten May den Rücken, sprachen ihr das Vertrauen aus und würdigten sie am Donnerstagabend mit einer außergewöhnlichen Geste. Sie spendeten May Applaus, wie Juncker berichtete: "Einige von uns, mich eingeschlossen, dachten, sie hat große Anstrengungen geleistet, und wir dachten, dies war angemessen."