Wenn sich die Staats- und Regierungschefs nun beim letzten EU-Gipfel des Jahres in Brüssel zusammensetzen, soll es auch ums Geld gehen. Sie wollen die nötigen Entscheidungen zur Vollendung der Währungsunion planen. Währungsunion? Alleine das Wort klingt so spannend wie Telefonzellenkabel oder Kühlschranktür. Dabei ist die Währungsunion für viele Bürger Europas weitaus bedeutender als die Vereinheitlichung der Kommunikationswege oder der Zugang zu ihren Kühlschränken.

Um den Vergleich etwas zu strapazieren: Jeder private Haushalt braucht einen Kühlschrank, jeder öffentliche einen Finanzminister. Und da die EU seit Längerem einen Haushalt hat, benötigt auch sie einen eigenständigen und unabhängigen Finanzminister. Darum geht es im Kern, wenn die Staats- und Regierungschefs jetzt und wohl noch lange im Jahr 2018 über eine Vollendung der Währungsunion diskutieren. Aber warum ist ein eigener EU-Finanzminister eigentlich eine gute Idee? Und weshalb gibt es ihn noch nicht?

Die zweite Frage hat viel mit dem Beharren auf staatlicher Souveränität, der Angst vor Kompetenzübertragung und wenig mit der eigentlichen finanzpolitischen Idee der Europäischen Union zu tun. Seit Beginn des Jahrtausends existiert der Euro, eine der erfolgreichsten Währungen der Welt. Zuerst nur als Rechnungseinheit, später auch als Zahlungsmittel ist er inzwischen in 19 EU-Mitgliedsstaaten etabliert. Er gilt nach dem Dollar als wichtigste Reservewährung der Welt.

Befürworteten 2004 lediglich 58 Prozent der Deutschen den Euro, sind es in diesem Jahr 82 Prozent der Bevölkerung. In den anderen EU-Staaten mit Euro hat seine Akzeptanz ähnlich zugenommen. Aber ausgerechnet sein Erfolg lässt sein größtes Problem leicht vergessen: Der Euro ist ein Zahlungsmittel, das gar keinen Zahlmeister hat. So wie ein Telefon alleine nicht sprechen kann, braucht eine eigene Währung zwingend eine eigene Geld- und Finanzpolitik. Beides klingt ähnlich, unterscheidet sich aber erheblich.

Geldpolitik erledigen Zentralbanken, Finanzpolitik ist der Job von Finanzministern. So lautet eigentlich die Aufgabenverteilung in funktionierenden Gesellschaften. Dieses Modell ist seit vielen Jahrzehnten erprobt: Von den Bürgern gewählte Parlamentarier kontrollieren die Arbeit der Finanzminister, die wiederum können durch Gesetze Banken regulieren. Da in einer Demokratie das Primat der Politik gilt, haben Finanzminister eine besondere Verantwortung und meist viel zu tun. Geld weckt Begehrlichkeiten. Ihre wichtigste Arbeit besteht darin, Ausgabenwünsche abzulehnen oder zu bewilligen, Kredite aufzunehmen und zusammen mit dem Wirtschaftsministerium dafür zu sorgen, dass die soziale Marktwirtschaft ihres Zuständigkeitsbereiches wächst. In den 19 Eurostaaten gibt es 19 nationale Finanzminister und noch zahlreiche weitere auf regionalerer Ebene, aber nur eine Währung. Das klingt einfach und unkompliziert, ist aber das genaue Gegenteil. Die Finanzpolitik der vielen Finanzminister wirkt sich auf den einen Euro ausund umgekehrt.