Im Grenzstreit mit Kroatien hat Slowenien den Großteil des Golfs von Piran und damit einen Zugang zum offenen Meer übernommen. Damit folgt das Land einem Schlichtungsurteil des Ständigen Schiedshofs in Den Haag, der Slowenien zwei Drittel der Bucht an der nördlichen Adria zugesprochen hatte.

Die kroatische Regierung will die Entscheidung nicht akzeptieren und beansprucht die Hälfte der Bucht für sich. Nun gab es einen Zwischenfall, als kroatische Fischer unter Polizeischutz in die von Slowenien beanspruchte Seezone fuhren, um ihre am Vortag ausgeworfenen Netze einzuholen. Ein slowenisches Polizeiboot näherte sich zwar, schritt aber nicht ein. Da beide Seiten Polizeikräfte in der Region zusammengezogen haben, um ihre Position durchzusetzen, sind weitere Zwischenfälle wahrscheinlich.

Slowenien habe sein neues Seegebiet "vollständig unter Kontrolle", sagte Innenstaatssekretär Boštjan Šefic am Samstag in der Hafenstadt Koper. Ein erneutes Eindringen kroatischer Fischerboote würde laut Šefic Strafen nach sich ziehen. Auf der kroatischen Seite sagte der örtliche Polizeichef Loris Kozlevac, dass seine Beamten wie bisher die von seinem Land beanspruchten Teile der Bucht kontrollierten.

Der Golf von Piran liegt im Norden der Adria. Über den genauen Verlauf der Grenze zwischen Kroatien und Slowenien innerhalb der 31 Quadratkilometer großen Bucht gibt es schon seit Jahren Unstimmigkeiten. An der Einigung des Grenzstreits durch ein Schlichtungsverfahren in Den Haag hing 2013 Sloweniens Zustimmung zum EU-Beitritt Kroatiens ab. Jahrelang hatte das Land aufgrund der unklaren Grenzsituation den Beitritt seines Nachbarn zur EU blockiert. Ein Volksentscheid billigte dann die Aufnahme des Schlichtungsverfahrens.

Nachteile für Kroatien durch Grenzstreit

Das kroatische Nachrichtenportal Index warnte vor Nachteilen für Kroatien durch den Grenzstreit. Laut ihm könnte Slowenien den Beitritt Kroatiens zum visafreien Schengenraum blockieren und so der kroatischen Tourismusbranche schaden.

Wie Index berichtet, hat Slowenien hat die ganze EU auf seiner Seite, während Kroatien allein ist. So könnte das Land Kroatien vor internationalen Gerichten verklagen. Slowenien hat nun die EU-Kommission angerufen, um Kroatien zum Einlenken im Grenzstreit zu bewegen.