Beim "Marsch der Schande" skandierten die Demonstranten am Samstagabend im Zentrum von Tel Aviv Parolen wie "Bibi, geh nach Hause" – dabei nannten sie den Regierungschef Benjamin Netanjahu bei seinem Spitznamen. Netanjahu wird in zwei Fällen der Korruption verdächtigt und wurde bereits mehrfach von der Polizei befragt. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 10.000. Einige trugen Schweinemasken. In Sprechchören riefen Teilnehmer des Protests "Schande", "Mafia" und "Korrupte müssen gehen".

Die seit Wochen andauernden Proteste hatten sich an Korruptionsermittlungen gegen Netanjahu entzündet, der jedes Fehlverhalten von sich gewiesen hat. Er steht unter Verdacht, teure Geschenke von reichen Geschäftsleuten angenommen zu haben. In einem zweiten Fall geht es um angebliche Absprachen mit einem Zeitungsverleger, dem er im Gegenzug für positive Berichte in Aussicht gestellt haben soll, ein Konkurrenzblatt unter Druck zu setzen.

Bei einer Anklage könnte Netanjahu unter Druck kommen, zurückzutreten oder Neuwahlen anzusetzen, um seinen Rückhalt im Volk zu testen. Netanjahus rechte Likud-Partei wirft den Demonstranten vor, politisch links zu stehen und rief alle Israelis auf, sich hinter den Ministerpräsidenten zu stellen. Bei der Demonstration hielten Teilnehmer unter anderem Plakate mit Aufschriften hoch wie: "Weder rechts noch links, wir verlangen Integrität."

Am Mittwoch hatte Trump Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen. Dies führte zu Empörung in der arabischen Welt und zu scharfen Protesten auf palästinensischer Seite. International wächst wieder die Sorge vor einem neuen Flächenbrand im Nahen Osten.

Am Sonntag wird Benjamin Netanjahu in Paris zu einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet. Am Montag soll ein Treffen mit Außenminister der Europäischen Union in Brüssel folgen.