Jemens Ex-Präsident Ali Abdullah Salih hat sich in einer Fernsehansprache offen für Gespräche mit den verfeindeten Nachbarstaaten gezeigt. "Ich rufe alle Brüder in den Nachbarstaaten und ihre Verbündeten auf, die Aggressionen gegen den Jemen zu stoppen. Dann werden wir eine neue Seite aufschlagen und positiv miteinander umgehen", sagte Salih.

Salih forderte zudem die saudische Allianz auf, die Blockade der Flughäfen und Häfen des Landes komplett zu beenden und wieder Hilfslieferung zuzulassen. Dann könne auch wieder "nachbarschaftlich" miteinander gesprochen werden, sagte Salih.

Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis äußerte sich wohlwollend über das Gesprächsangebot des jemenitischen Ex-Präsidenten. Die Entscheidung von dessen Partei, "die Führung zu übernehmen" und sich auf die Seite der Bevölkerung zu stellen, werde das Bürgerkriegsland Jemen von den Iran-treuen Milizen "befreien", teilte die Koalition über die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA mit.

Rebellen sprechen von "Putsch"

Die Huthi-Rebellen hingegen verurteilten das Gesprächsangebot: "Salihs Rede ist ein Putsch gegen unsere Allianz und Partnerschaft", sagte ein Sprecher der Rebellen im von den Aufständischen kontrollierten Fernsehsender Almasirah.

Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Salih seit 2014 gegen Truppen des nach Saudi-Arabien geflohenen sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Der seit etwa drei Jahren andauernde Bürgerkrieg hat in dem Land eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Von den 27 Millionen Einwohnern des Jemens sind nach Angaben der Vereinten Nationen zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. 90 Prozent der Nahrungsmittel des Landes müssen importiert werden.

Erneut Kämpfe in Sanaa

In Sanaa lieferten sich Anhänger des Ex-Präsidenten mit den ihnen ehemals verbündeten Huthi-Milizen erneut Gefechte. Bei den seit Mittwoch anhaltenden Auseinandersetzungen wurden laut dem saudischen Fernsehsender Al Arabija mehr als 80 Menschen getötet und viele weitere verletzt.

Salihs Partei teilte mit, sie habe die Kontrolle über mehrere Bezirke Sanaas übernommen. Auf Fotos und Videos, die in sozialen Netzwerken geteilt wurden, ist zu sehen, wie Anhänger des Ex-Präsidenten Plakate der Huthis in den Straßen Sanaas von Straßenlaternen herunterreißen.