Der Generalsekretär der Arabischen Liga fordert, den Staat Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt international anzuerkennen. Das Staatenbündnis war zu einer Dringlichkeitssitzung in Kairo zusammengekommen. Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als israelische Hauptstadt zu sehen, werfe weltweit Fragen zu Washingtons Rolle als Friedensvermittler auf und sei eine "gefährliche Verletzung internationalen Rechts", hieß es in einer Erklärung. Der US-Präsident legalisiere damit die Besetzung Ostjerusalems durch Israel, urteilte Generalsekretär Ahmed Aboul Gheit.

Der palästinensische Außenminister Rijad al-Maliki schloss sich Aboul Gheits Forderung nach der internationalen Anerkennung seines Staates an. Er rief die Arabische Liga außerdem dazu auf, bei den Vereinten Nationen einen Entwurf für eine Resolution einzureichen, der die Entscheidung der USA verurteile. Rechtlich sei der US-Beschluss ohne Bedeutung, der die Gewalt in der Region weiter anheizen werde, so die Minister des Staatenbündnisses.

Libanons Außenminister Gebran Bassil regte an, die arabischen Staaten sollten Sanktionen gegen die USA verhängen: Es sei nötig, vorsorgliche Maßnahmen gegen Trumps Entscheidung zu treffen, sagte Bassil. Auf diplomatische Maßnahmen könnten auch politische Maßnahmen sowie Wirtschafts- und Finanzsanktionen folgen.

Die Arabische Liga hat das Treffen kurzfristig einberufen, nachdem Trump angekündigt hatte, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Arabische Verbündete der USA kritisierten den Schritt des US-Präsidenten.

Vier Tote und viele Verletzte

Im Westjordanland, in Ostjerusalem und im Gazastreifen kam es erneut zu Unruhen. Nach israelischen Luftangriffen im Gazastreifen und Protesten ist die Zahl der getöteten Palästinenser auf vier gestiegen, wie das palästinensische Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte.

Mindestens 170 Menschen wurden nach Angaben des palästinensischen Rettungsdienstes Roter Halbmond und des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza verletzt. Der größte Teil davon litt unter Kontakt mit Tränengas. Die israelische Polizei meldete vier verletzte Polizisten. 13 Palästinenser wurden festgenommen.

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen wurden in der Nacht zu Samstag zwei Menschen getötet und 15 verletzt. Israels Luftwaffe reagierte mit dem Beschuss in Gaza auf Raketenangriffe aus der Küstenenklave. Sie griff nach Armeeangaben vier Standorte der radikal-islamischen Hamas an: zwei Waffenfabriken, ein Waffenlager und einen Militärstützpunkt.

Bereits am Freitag waren bei Unruhen nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Die für Sonntag angekündigte Übergabe der Kontrolle des Gazastreifens an die gemäßigte Palästinenserbehörde könnte sich weiter verzögern. Am Samstag gab es von der Autonomiebehörde keine Informationen über einen möglichen Zeitplan.

Netanjahu verurteilt Reaktionen aus Europa

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte aus Protest gegen Trumps Entscheidung ein Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence ab. Auch die sunnitische Al-Azhar-Universität in Kairo und die koptische Kirche Ägyptens kündigten an, Pence nicht zu empfangen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat unterdessen die europäischen Reaktionen auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump kritisiert. "Ich höre viele Stimmen, die Präsident Trumps historische Ankündigung verurteilen. Aber ich habe keine Verurteilung des Raketenbeschusses auf Israel gehört und der entsetzlichen Hetze gegen uns", so Netanjahu. Am Sonntag wird er in Paris zu einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet. Am Montag soll ein Treffen mit Außenminister der Europäischen Union in Brüssel folgen.

Der Streit um die Rolle Jerusalems zählt zu den größten Hindernissen auf dem Weg zu einer Lösung des Nahost-Konflikts. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt. Die Palästinenser betrachten dagegen den Ostteil der Stadt als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates. Israel hatte Ostjerusalem im Sechstagekrieg 1967 besetzt. Die internationale Gemeinschaft hat die Annexion des Gebiets nicht anerkannt.