Die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, sind weltweit auf Kritik gestoßen. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas ist laut seinem Sprecher erbost über die Ankündigung: "Präsident Abbas warnt vor den gefährlichen Konsequenzen, die solch eine Entscheidung auf den Friedensprozess hätte und auf den Frieden, die Sicherheit und Stabilität der Region und der Welt", heißt es in einem Statement von seinem Sprecher Nabil Abu Rudeina.

Die USA hätten sich ganz auf die Seite Israels gestellt und der Nahe Osten werde "auf den Kopf gestellt", sagte Abdallah al-Frangi, Gouverneur von Gaza, im Deutschlandfunk. Die Vermittlerrolle Trumps in der Region hätte sich damit erledigt. Die US-Pläne seien ein Gewaltakt. Er fürchte, dass die Betroffenen darauf sehr stark reagieren würden und dass dies "sehr unangenehm werden wird, auch für die USA", so Al-Frangi. 

Trump will nach Angaben eines ranghohen US-Regierungsvertreters Jerusalem am heutigen Mittwoch als Hauptstadt Israels anerkennen und den Umzug der US-Botschaft dorthin anordnen. Sowohl Israelis als auch Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt.

"Todeskuss für die Zweistaatenlösung"

Der palästinensische Vertreter in Großbritannien, Manuel Hassassian, sagte der BBC, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt käme einer Kriegserklärung gleich: "Das ist der Todeskuss für die Zweistaatenlösung." Der britische Außenminister Boris Johnson sagte dem Telegraph, er sei besorgt, "weil wir denken, dass Jerusalem offensichtlich Teil des finalen Abkommens zwischen den Israelis und den Palästinensern sein sollte, eines ausgehandelten Abkommens".

Auch der UN-Gesandte für den Nahost-Friedensprozess, Nickolay Mladenov, ist der Meinung, dass der Status von Jerusalem Gegenstand "direkter Verhandlungen" zwischen Israel und den Palästinensern sein müsste.

Die türkische Regierung warnte vor einem neuen interreligiösen Konflikt. Ministerpräsident Binali Yıldırım bezeichnete die Pläne Trumps als rechtswidrig. Bereits am Dienstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit einem Abbruch der Beziehungen zu Israel gedroht und gesagt: "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime."

Papst Franziskus richtete einen "dringenden Appell" an alle, den Status quo der Stadt und die Resolutionen der Vereinten Nationen zu respektieren. 

Das Auswärtige Amt reagierte mit einer Warnung für alle Israel-Reisenden: Ab dem 6. Dezember könne es zu Demonstrationen in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen kommen, heißt es in einem aktualisierten Reisehinweis. Gewalttätige Auseinandersetzungen könnten nicht ausgeschlossen werden.

"Gefährlicher Schritt"

Zahlreiche arabische Länder hatten sich bereits am Dienstag deutlich gegen die US-Pläne ausgesprochen. Der saudische König Salman sagte in einem Telefonat mit Trump, eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ohne eine abschließende Regelung mit den Palästinensern schade dem Nahost-Friedensprozess und erhöhe die Spannungen in der Region. Ein solch "gefährlicher Schritt" würde Muslime weltweit provozieren.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi bat Trump in einem Telefongespräch, die Lage in der Region nicht durch Schritte komplizierter zu machen, die die Chancen auf einen Frieden im Nahen Osten untergraben würden, wie ein Sprecher des ägyptischen Staatsoberhauptes sagte.

Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi lehnte eine Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem ab und warnte vor den Auswirkungen. Jordanien forderte eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga.