US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Unruhen in Nahost nach seiner Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels zu "Ruhe und Mäßigung" aufgerufen. Das sagte Trumps Sprecher Raj Shah zu Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One, die Trump zu einer Veranstaltung nach Florida brachte. "Wir hoffen, dass die Stimmen der Toleranz die des Hasses übertönen", sagte Shah. Er betonte, dass Trump weiterhin eine "dauerhafte Friedensvereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern" anstrebe. 

Nach den Unruhen im Heiligen Land mit zwei Toten und mehr als 700 Verletzten am Freitag gibt es Sorge vor weiterer Gewalt. Tausende Palästinenser gingen nach den Freitagsgebeten in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen auf die Straßen. Sie protestierten gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA. Dabei kam es zu zahlreichen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften. Im Gazastreifen starben zwei Palästinenser, wie die Zeitung Ha'aretz berichtete. Israelische Kampfflugzeuge griffen als Reaktion auf einen Raketenangriff Ziele im Gazastreifen an. 

Am Samstag will sich die palästinensische Führung in Ramallah treffen, nachdem Präsident Mahmud Abbas aus Jordanien zurückgekehrt ist. Auch die Arabische Liga befasst sich am Samstag in einer Dringlichkeitssitzung mit der umstrittenen Entscheidung des US-Präsidenten. Es wird erwartet, dass die Staatengemeinschaft bei ihrem Treffen in Kairo scharfe Kritik an der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels übt.   

Die Hamas hatte die blutigen Unruhen vom Freitag gelobt. "Wir arbeiten in alle Richtungen und auf allen Ebenen, um die Entscheidung von Trump zu Fall zu bringen, Jerusalem zu befreien und das palästinensische Volk zurückzubringen", sagte Hamas-Chef Ismail Hanija. Die palästinensische Einheit offenbare sich "in der Arena der Intifada". Hanija hatte am Donnerstag zu einem neuen Palästinenseraufstand (Intifada) aufgerufen. 

Der Beginn der ersten Intifada jährt sich am Samstag zum 30. Mal. Von 1987 bis 1993 verloren etwa 2.200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der sogeannten Al-Aksa-Intifada von 2000 bis 2005 wurden 3.500 Palästinenser getötet, mehr als 1.000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern. "Der gesegnete Aufstand heute hat zwei Botschaften gesendet", sagte Hanija. "Erstens unsere Ablehnung von Trumps Entscheidung und zweitens die hohe Bereitschaft, Jerusalem mit unseren Leben zu verteidigen."

Inmitten des Konflikts wurde bekannt, dass Trumps stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin Dina Powell ihren Posten niederlegt. Die in Kairo geborene Nahost-Expertin, die fließend Arabisch spricht, war an den Bemühungen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beteiligt, den Nahost-Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern wiederzubeleben. Trumps Sprecherin Sarah Sanders wies einen Zusammenhang des Rücktritts mit der umstrittenen Jerusalem-Entscheidung zurück. Powell habe von Anfang an geplant, nur ein Jahr als Vizesicherheitsberaterin zu dienen, um dann nach New York zurückzukehren. Kushner erklärte, Powell werde weiterhin eine wichtige Rolle bei den Friedensbemühungen spielen.