Eine Rakete aus dem Gazastreifen ist in der Stadt Sderot im Süden Israels eingeschlagen. Das teilte eine israelische Armeesprecherin mit, weitere Informationen gebe es nicht. Nach einem Bericht der Zeitung Ha'aretz wurden Autos beschädigt. Verletzte habe es keine gegeben.

Nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA waren vor allem nach den Freitagsgebeten Unruhen in Jerusalem und den Palästinensergebieten ausgebrochen. Die radikalislamische Hamas hatte für Freitag zum Beginn eines neuen Palästinenseraufstands aufgerufen. Tausende Palästinenser gingen auf die Straße. Vor allem Jugendliche verbrannten amerikanische Flaggen und setzten Reifen in Brand, warfen mit Steinen und Flaschen auf israelische Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas und Gummigeschosse gegen die Anstifter der Unruhen ein. Mindestens 760 Menschen wurden dabei verletzt, mindestens zwei Palästinenser getötet.

Israel griff am früheren Abend außerdem einen Stützpunkt und ein Waffenlager der Hamas im Gazastreifen an. Dabei wurden nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen zehn Menschen verletzt. Zuvor waren zwei Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel abgefeuert worden, eine fing Israel nach Armeeangaben ab, bei der anderen wurde zunächst kein Treffer gemeldet.

UN-Sicherheitsrat kritisiert Trumps Entscheidung

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben die USA geschlossen für die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Die Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar, sagte Ägyptens UN-Botschafter Amr Abdellatif Aboulatta bei der Dringlichkeitssitzung in New York. Außer den USA hat der Sicherheitsrat 14 weitere Mitglieder.

Die Botschafter von Großbritannien, Italien, Schweden, Italien und dem derzeit nicht im Sicherheitsrat vertretenen Deutschland teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, die Entscheidung der USA sei nicht in Übereinstimmung mit UN-Resolutionen und nicht hilfreich im Hinblick auf Frieden in der Region.

US-Botschafterin Nikki Haley hatte die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zuvor verteidigt. "Unsere Handlungen sollen das Ziel des Friedens voranbringen", sagte Haley. "Ich verstehe die Sorgen der Mitglieder, die die Sitzung beantragt haben. Veränderung ist schwierig, aber wir sollten nie infrage stellen, was die Wahrheit erreichen kann." Die US-Regierung fühle sich dem Friedensprozess für den Nahen Osten weiter zutiefst verpflichtet "und wir glauben, dass wir dem Ziel näher sein könnten als je zuvor". Der israelische UN-Botschafter Danny Danon bezeichnete die Botschaftsverlegung als Meilenstein für Israel, den Frieden und die Welt. Haley kritisierte, dass die Vereinten Nationen dem Friedensprozess mehr Schaden zugefügt hätten, als ihn voranzubringen.

Nahost-Gesandter spricht von kritischem Moment

Der palästinensische UN-Botschafter Rijad Mansur sagte, die Entscheidung disqualifiziere die USA, auf der Suche nach einem Frieden in Nahost weiter eine führende Rolle einzunehmen. "Eine Partei kann nicht damit weitermachen, den Friedensprozess an sich zu reißen", sagte Mansur. Dies gelte vor allem dann, wenn diese Partei zugunsten "der Besatzungsmacht" Israel voreingenommen sei.

Der per Video aus Jerusalem zugeschaltete UN-Nahost-Gesandte Nikolaj Mladenow informierte den Sicherheitsrat über die Lage im Nahen Osten. Der Status von Jerusalem sei das emotionalste und schwierigste Thema im Friedensprozess, sagte er und forderte alle Beteiligten zu Ruhe, Zurückhaltung und einer Rückkehr zu konstruktivem Dialog auf. "Das ist ein kritischer Moment in der langen Geschichte dieses Konflikts."

Der endgültige Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt, während die Palästinenser den 1967 von Israel eroberten Ostteil als Hauptstadt eines künftigen unabhängigen palästinensischen Staats betrachten.