Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan macht die USA für die Gewalt nach der Jerusalem-Entscheidung mitverantwortlich. "Diejenigen, die aus Jerusalem einen Kerker für Muslime und die Mitglieder anderer Religionen gemacht haben, werden nie das Blut von ihren Händen waschen können", sagte der türkische Präsident. Mit der Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, sei US-Präsident Donald Trump zum Komplizen Israels geworden, so Erdoğan. Zuvor hatte er Israel als "terroristischen Staat", der "Kinder tötet", bezeichnet. 

Die Türkei werde die Entscheidung Trumps niemals anerkennen, sagte der türkische Staatschef. Der "Kampf" der Muslime werde erst mit der Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staats enden, sagte Erdoğan. Er zeigte sich überzeugt, das der Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) am Mittwoch in Istanbul ein "Wendepunkt" sein werde.

Erdoğan hatte vergangene Woche als amtierender OIC-Vorsitzender die 57 Mitgliedsstaaten eingeladen, um über eine konzertierte Antwort auf Trump zu beraten. Der türkische Präsident fordert eine harte Reaktion.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, er sei es "nicht gewohnt, Vorträge über Moral von einem Anführer zu bekommen, der in seiner Heimat Türkei kurdische Dörfer bombardiert, Journalisten einsperrt, dem Iran beim Umgehen internationaler Sanktionen hilft, und der Terroristen, einschließlich im Gazastreifen, dabei hilft, unschuldige Leute zu töten".

Vor Trumps Jerusalem-Entscheidung hatten sich die Türkei und Israel nach sechs Jahren wieder diplomatisch angenähert. Die Anerkennung Jerusalems als offizielle Hauptstadt Israels hat seit vergangenem Mittwoch in muslimischen Ländern zu Protesten und Demonstrationen geführt. Am Montag rief die schiitische Hisbollah-Bewegung zu weiteren Großkundgebungen in Beirut, Ostjerusalem, Bethlehem und Teheran auf.

Seit der Entscheidung Trumps am vergangenen Mittwoch sind im Gazastreifen vier Menschen bei Protesten und israelischen Luftangriffen gestorben. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei auch zwei Hamas-Kämpfer getötet. Rund 400 Palästinenser seien durch Schüsse verletzt worden, mehr als 1.000 durch Tränengas. Auch 13 israelische Polizisten wurden verletzt.

In der Türkei kam es bei Demonstrationen am Wochenende zu Festnahmen, in Libanons Hauptstadt Beirut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Dabei wurden nahe der US-Botschaft Flaggen der USA und Israels verbrannt.