Bei den Regionalwahlen in Katalonien haben die separatistischen Parteien ihre Mehrheit im Parlament verteidigt. Das teilte die Wahlbehörde nach Auszählung fast aller Stimmen mit. Die drei für eine Unabhängigkeit eintretenden Parteien erreichten demnach 70 der insgesamt 135 Sitze des Parlaments in Barcelona. Für die absolute Mehrheit reichen schon 68 Sitze.

Aber auch die Unabhängigkeitsgegner sind stark. Die liberale Partei Ciudadanos wurde mit 37 Sitzen stärkste Partei. Die separatistische Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) des nach Brüssel geflohenen abgesetzten Regierungschefs Carles Puigdemont erreichte 34 Sitze. Die Sozialisten gewannen 17 Sitze. Historisch schlecht schnitt die konservative Partei des zentralspanischen Premiers Mariano Rajoy in Katalonien ab. Die Partido Popular, die in der Region traditionell schwach ist, bekam nur drei Sitze. Das werteten spanische Kommentatoren als Niederlage für Rajoys Politik der harten Hand gegenüber Katalonien.

Nach Angaben der Wahlkommission gaben 81,9 Prozent aller 5,5 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei den Wahlen 2015 hat die Beteiligung noch bei 77 Prozent gelegen.

Nach der umstrittenen Ausrufung der Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens im Oktober gelten die Neuwahlen des Regionalparlaments als wichtiger Hinweis darauf, wie viel Unterstützung die Separatisten in der Bevölkerung haben. Die Zentralregierung in Madrid hat Katalonien zuletzt mithilfe des spanischen Verfassungsartikels 155 unter Zwangsverwaltung gestellt und vorgezogene Neuwahlen ausgerufen. Der Wahltag verlief ohne größere Zwischenfälle.

Es werden schwierige Koalitionsverhandlungen erwartet, da es auch im Separatistenlager große Meinungsverschiedenheiten gibt. So sind die Unabhängigkeitsparteien zum Regieren auf die Unterstützung der linksradikalen CUP angewiesen – diese sieht die Frage der Unabhängigkeit allerdings kompromisslos.

Puigdemont beschwört "Geist des 1. Oktober"

Puigdemont hat aus dem Exil heraus seine Anhänger aufgerufen, sich an der Wahl zu beteiligen: "Heute demonstrieren wir erneut die Kraft eines unbeugsamen Volkes. Auf dass uns der Geist des 1. Oktober stets leiten möge", hat er unter Bezug auf das von seiner Regierung illegalerweise abgehaltene Unabhängigkeitsreferendum getwittert.

Da ihm in Spanien die Verhaftung als Aufrührer droht, konnte der abgesetzte Regionalpräsident seine Stimme nicht persönlich abgeben. Stattdessen machte eine mit Vollmacht ausgestattete 18-jährige Katalanin in einem Wahllokal nahe Barcelona das Kreuz für ihn. Puigdemont hat angekündigt, bei einem Wahlsieg in seine Heimat zurückzukehren und die Regierungsgeschäfte wieder aufzunehmen.

Katalonien ist etwa so groß wie Belgien und liegt im Nordosten des Landes an der Grenze zu Frankreich. Die Region hat eine eigene Sprache und Kultur und ist vergleichsweise wohlhabend. Die Wirtschaftsleistung ist höher als die Portugals und trägt maßgeblich zum spanischen Wachstum bei. Der Konflikt um die Unabhängigkeit hat jedoch zu Verunsicherung geführt: Zahlreiche Firmen in der Region haben ihren Sitz in andere Regionen verlegt.