Als Reaktion auf die Bildung der rechtsgerichteten Regierung in Österreich will Israel seine offiziellen Kontakte nach Wien einschränken. Wie die Regierung in Jerusalem mitteilte, sollen die Kontakte zu den Ministerien unter Führung der rechtspopulistischen FPÖ nur noch auf Beamtenebene erfolgen. Das Außenministerium werde nun Richtlinien für den Umgang mit der neuen österreichischen Koalition ausarbeiten. Dabei liege die Betonung darauf, "Antisemitismus zu bekämpfen und die Erinnerung an die Shoa zu bewahren".

Gleichwohl wollen die Israelis mit der Regierung in Wien als Ganzes "bis auf Weiteres" weiter zusammenarbeiten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werde deshalb auch weiterhin mit dem gewählten österreichischen Kanzler, Sebastian Kurz, direkten Kontakt halten. So umgeht der Premier zugleich den direkten Kontakt mit der neuen österreichischen Außenministerin, die von der FPÖ aufgestellt wurde.

Der ÖVP-Politiker Sebastian Kurz war am Montag als Kanzler vereidigt worden. Der mit 31 Jahren jüngste Regierungschef in Europa koaliert mit der rechtspopulistischen FPÖ, die immer wieder mit EU-kritischen und rassistischen Aussagen auffiel. Kurz' Kabinett gehören acht Ressortchefs aus den Reihen der konservativen ÖVP und sechs aus den Reihen der rechten FPÖ an.

Die FPÖ war in den 1950er Jahren von Rechtsradikalen gegründet worden. 1993 spalteten sich zudem die Liberalen ab und gründeten eine eigene Partei, das Liberale Forum. Der früherer FPÖ-Chef Jörg Haider hatte einmal Adolf Hitlers "ordentliche Beschäftigungspolitik" gelobt und die NS-Vernichtungslager verharmlosend als "Straflager" bezeichnet. Die israelische Regierung hatte ihren Botschafter im Jahr 2000 aus Wien abgezogen, um damit gegen die damalige Regierungsbeteiligung der FPÖ zu protestieren.

Österreich - Neue Regierung in Wien vereidigt In Österreich hat der ÖVP-Politiker Sebastian Kurz sein neues Amt als Kanzler angetreten. Vizekanzler ist der Rechtspopulist Heinz-Christian Strache von der FPÖ. © Foto: Leonhard Foeger / Reuters