Rund eine Woche nach der Präsidentschaftswahl in Honduras gibt es immer noch kein Wahlergebnis. Die Wahlbehörden haben erneut mit der Auszählung von Stimmen aus etwa 1.030 Wahlurnen begonnen. Die ersten Ergebnisse aus zunächst fast 300 betroffenen Wahlurnen zeigten am späten Sonntagabend (Ortszeit) keine Veränderung. Amtsinhaber Juan Orlando Hernández lag mit etwa 50.000 Stimmen vor seinem Herausforderer Salvador Nasralla. 

Insgesamt hatte das Wahlgericht damit nach dem Votum vom 26. November rund 96 Prozent der abgegebenen Stimmen ausgezählt. Während Hernández auf 42,96 Prozent kam, erreichte Nasralla 41,38 Prozent. Nach der Wahl hatten sich beide Kandidaten jeweils zum Sieger erklärt.

Er werde das offizielle Ergebnis nicht anerkennen, kündigte Nasralla an. Schon 2013 war der Sportjournalist für die Antikorruptionspartei (PAC) angetreten, unterlag aber dem konservativen Kandidaten Hernández. 

Nasrallas Vertreter erschienen nicht zur Neuauszählung der Stimmzettel. Bei einer Versammlung in der Hauptstadt Tegucigalpa sagte er, die Richter am Wahlgericht seien Mitarbeiter des Präsidenten. Dieses sei keine unabhängige Institution und daher weder glaub- noch vertrauenswürdig. Nasralla fordert eine neue Präsidentschaftswahl, die von einem internationalen Wahlgericht beaufsichtigt werden soll. Die Wahlbehörden haben die Beschwerden der Opposition zurückgewiesen. Probleme bei der Stimmenauszählung begründeten sie mit technischen Schwierigkeiten.

Tote und Plünderungen

Am Sonntag protestierten im ganzen Land Menschen gegen den Präsidenten Juan Orlando Hernández. Zwei Demonstranten starben in den vergangenen Tagen bei Protesten, darunter eine 19-Jährige durch Schüsse. Die Regierung hatte zuvor den Ausnahmezustand ausgerufen, es gilt eine Ausgangssperre zwischen 18 und 6 Uhr.

In den vergangenen Tagen wurden in Tegucigalpa und anderen Städten Barrikaden errichtet und Brandsätze gelegt, die Polizei setzte Tränengas ein. 

Zu den Kundgebungen am Wochenende hatte Ex-Präsident Manuel Zelaya aufgerufen. Er war 2009 vom Militär aus dem Amt geputscht worden. Zelaya ist ein Verbündeter von Nasralla. Der frühere Zentralbankchef Hugo Noé Pino betonte, es gelte zu verhindern, dass die Nationalpartei des Präsidenten Hernández eine Diktatur im Land errichte, mit Hilfe eines von der Wahlbehörde unterstützten Betrugs. Militär und Polizei sind in erhöhter Alarmbereitschaft. Immer wieder verschob die Wahlbehörde die Veröffentlichung des Endergebnisses.

Das Land mit seinen acht Millionen Einwohnern gilt als eines der ärmsten und gefährlichsten in Mittelamerika. In den vergangenen Tagen kam es auch zu Plünderungen. Menschen drangen in Geschäfte und Einkaufszentren ein und stahlen Lebensmittel, Kleidung und Elektrogeräte. Hernández rief die Menschen zu Besonnenheit auf: "Ich fordere das honduranische Volk und die Leute meiner Partei dazu auf, Ruhe zu bewahren und auf das Ergebnis des Wahlamts zu warten."