Nicht nur die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Usbekistan und Russland scheinen sehr eng zu sein, auch der Arm des usbekischen Geheimdienstes scheint bis nach Russland zu reichen. Bei dem Verhör von Ali Ferus sollen einige Männer in zivil zugegen gewesen sein und Usbekisch gesprochen haben. Es seien "unsichtbare Kräfte", die Ali Ferus nicht aus dem Land lassen, schreibt seine Zeitung Nowaja Gaseta. Denn die Bemühungen sind da, durchaus auch auf der russischen Seite. Doch werden sie ausgebremst.

Dieses Jahr war für den Journalismus in Russland ein schweres: Eine Reporterin der Nowaja Gaseta, Jelena Milaschina, musste das Land vorübergehend verlassen, nachdem sie über die Folter von Schwulen in Tschetschenien berichtet hatte und Morddrohungen bekam. Der 73-jährige Journalist Nikolai Andruschtschenko aus Sankt Petersburg wurde zusammengeschlagen und starb an seinen Verletzungen. Julia Latynina und Ksenia Larina, die für die Zeitung Nowaja Gaseta und den Radiosender Echo Moskwy arbeiten, haben Russland ebenfalls verlassen, nachdem sie und ihre Familien bedroht und angegriffen wurden. Der stellvertretenden Chefredakteurin des selben Senders rammte erst vor einigen Wochen ein Mann ein Messer in den Hals. Tatjana Felgengauer überlebte das Attentat mit viel Glück.

Wann Ali Ferus freigelassen wird, ist ungewiss. Vielleicht dann, wenn sich die Kräfteverhältnisse klären. Vielleicht, wenn der EGMR entschieden hat. Es gehe ihm nicht gut, sagt Ferus' Freund. Er habe Angst um sein Leben – und wenn sie ihn doch abschieben wie immer wieder angekündigt? Wenn sie ihn das nächste Mal, wieder ohne die Anwälte zu benachrichtigen, wegbringen, aber dieses Mal nicht zum Gericht, sondern zum Flughafen?

Sein Körper leidet, die Psyche leidet, die Angst wirkt. Er liest viel, sagt Ali Ferus am Telefon. Mit den Mitinhaftierten verstehe er sich gut. Er hat eine Reportage über das Leben dieser Gestrandeten geschrieben, die Nowaja Gaseta veröffentlicht hat. Er wartet, bis er mit seinem Freund Pavel ein gemeinsames Leben beginnen kann, in Deutschland, Arbeit haben sie für ihn schon gefunden, die Flugtickets sind gekauft.

Das Schwierige, sagt Pavel, sei die Hoffnung. Sie hatten die Flüge erst für den 3. November gebucht. Dann für den 22. November. Dann für ein anderes Datum, welches, das traut sich der Freund mittlerweile nicht mehr zu sagen. Ferus ist aus Usbekistan vor Folter geflohen, aber sie haben eine andere Art der Folter gefunden, meinen die Kollegen von der Nowaja Gaseta: Hoffnung aufkommen lassen – und sie dann zertrümmern.