Der Jerusalem-Sondergipfel der "Organisation für Islamische Zusammenarbeit" (OIC) sollte ein wichtiges Signal aussenden: das Signal von der neuen Einigkeit der muslimischen Welt. Tatsächlich stand am Ende des Krisentreffens in Istanbul eine gemeinsame Resolution: Die 57 Mitgliedsstaaten riefen darin "Ostjerusalem zur Hauptstadt des palästinensischen Staates" aus und luden alle Nationen der Welt ein, "den palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als seiner besetzten Hauptstadt anzuerkennen". 

Was das konkret bedeutet und wie das konkret durchgesetzt werden soll, blieb ungesagt. Wie schon am vergangenen Wochenende bei der Arabischen Liga in Kairo ließen sich Zwist und Uneinigkeit nur mühsam übertünchen. Wichtige arabische Staatschefs wie Ägyptens Abdel Fattah al-Sisi und Saudi-Arabiens Monarch Salman waren gar nicht erst erschienen. Sisi pflegt seit Jahren eine offene Feindschaft zu Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan und verbot in seinem Land alle Protestkundgebungen zu Jerusalem. Saudi-Arabien, wo die OIC ihren permanenten Sitz hat, ließ sich von einem Staatssekretär des Außenministeriums vertreten. Der König Salman wollte unter keinen Umständen mit Irans Präsident Hassan Ruhani und Katars Emir Tamim bin Hamad Al-Thani in einem Saal sitzen, hatte er doch wegen des Katar-Boykotts erst kürzlich den Gipfel der Golfstaaten in Kuwait platzen lassen.

Und so ging der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bereits vor der OIC-Versammlung mit "einigen arabischen Staaten" hart ins Gericht. Er warf ihnen vor, eine "sehr schwache Reaktion" zu zeigen auf die amerikanische Jerusalem-Wende. In die gleiche Kerbe hieb auf der Istanbuler Bühne auch Irans Präsident Ruhani. Der warf "einigen Staaten" in der Region vor, "mit den Vereinigten Staaten und dem zionistischen Regime zu kooperieren, um das Schicksal Palästinas zu entscheiden".

Schrille Rhetorik statt richtiger Rückendeckung

Und so hatte Staatspräsident Erdoğan im Plenum große Mühe, sich in der Jerusalemfrage als der neue, maßgebliche Sprecher der muslimischen Welt zu inszenieren. Diesen Mangel an Rückendeckung versuchte der türkische Gastgeber durch schrille Rhetorik wettzumachen. In seiner Eröffnungsrede nannte er Israel "einen Staat der Okkupation und einen Staat des Terrors". Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump bezeichnete er als "null und nichtig". Sie sei eine Belohnung Israels für dessen Terrortaten, erklärte er, und unterstrich, die Islamische Welt werde ihren Anspruch auf Jerusalem niemals aufgeben.

In das gleiche Horn stießen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Jordaniens König Abdullah II., der vor mehr Gewalt und mehr Konfrontation warnte. Abbas erklärte, es werde keinen Frieden und keine Stabilität geben ohne Ostjerusalem als Hauptstadt eines künftigen palästinensischen Staates. Die Entscheidung des Weißen Hauses geißelte er als Provokation der internationalen Gemeinschaft und als eklatante Verletzung internationalen Rechts.

Mit diesem Schritt hätten die USA ihre Legitimität als Vermittler im Friedensprozess verloren. "Diese einseitigen Schritte werden Extremisten anstacheln und den politischen Konflikt in einen religiösen Konflikt verwandeln. Eine Gefahr, vor der wir immer gewarnt haben", sagte Abbas, der für nächste Woche ein Treffen mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence absagte. Dieser wollte noch vor Weihnachten nach Israel und Ägypten kommen.