Richard Shelby wurde ungewöhnlich deutlich, als es um Roy Moore ging. "Alabama hat etwas Besseres verdient", sagte der republikanische Senator des US-Bundesstaates CNN. "Ich habe nicht für Moore gestimmt und werde das auch nicht tun." Dass ein Senator den Kandidaten seiner eigenen Partei nicht unterstützt, gab es bis dahin nur ein einziges Mal: als der frühere Leiter des Ku-Klux-Klans, David Duke, sich vor knapp 30 Jahren erfolglos um einen Senatssitz in Louisiana beworben hatte.

Shelby ist in der US-Politik eine Größe. Er ist seit 40 Jahren in Washington, sein Name steht auf zahlreichen Gebäuden in Alabama. Ob sich seine Äußerungen auswirken, wird sich an diesem Dienstag zeigen: Dann werden die Wähler in Alabama entscheiden, wer den frei gewordenen Senatssitz von Justizminister Jeff Sessions übernimmt. 

Zur Wahl stellen sich der republikanische Hardliner Roy Moore und sein demokratischer Gegner Doug Jones. Der Wahlkampf hinterlässt eine tief gespaltene Wählerschaft und eine zerrissene republikanische Partei. So sorgte die Debatte um sexuelle Belästigung in Medien und Politik dafür, dass diese Wahl zum landesweiten Ereignis geworden ist. Denn auch Moore soll übergriffig geworden sein. Fünf Frauen werfen dem Republikaner vor, dass er ihnen nachgestellt hatte, als sie selbst noch Teenager waren. Eine der Frauen gibt an, zum damaligen Zeitpunkt 14 Jahre alt gewesen zu sein. Moore selbst streitet die Vorwürfe trotz zahlreicher Indizien ab. Zuletzt sprach er von einer "rituellen Schmierenkampagne".

Trump unterstützt Moore

Die Republikaner sind wegen Moore in Bedrängnis. Nachdem die ersten Frauen an die Öffentlichkeit gegangen waren, hatte die Parteispitze den Kandidaten öffentlich zum Rücktritt aufgefordert und ihm die Unterstützung entzogen. In den vergangenen Tagen aber haben die Konservativen ihre Haltung geändert: Man müsse den Wählern von Alabama die Entscheidung überlassen, argumentierte der Mehrheitssprecher im Senat, Mitch McConnell.

Auch der Präsident unterstützt Moore nach anfänglichem Schweigen – und macht aus seinem Kalkül kein Geheimnis. Man dürfe keinen liberalen Demokraten auf dem Sitz dulden, twitterte Trump am Wochenende. Sollte Jones gewinnen, könne dies die Agenda gefährden, sagt Trump in einer Aufzeichnung, die Wählern in Alabama in den vergangenen Tagen per Telefon vorgespielt wurde. Moore dagegen werde ihm helfen, "die Probleme des Obama-Desasters zu lösen".

Gegen Rechte für Afroamerikaner und Frauen

Moore ist von Breitbart-Chef Stephen Bannon ins Rennen geschickt worden, um das konservative Establishment aufzuschrecken. Für politisch korrekte Meinungen hat der Politiker tatsächlich nur wenig übrig. Als Richter hatte der heute 70-Jährige Urteile des Supreme Courts ignoriert, später sprach er sich dafür aus, Muslime aus dem Senat zu verbannen und Homosexualität zu verbieten. 

Auf die Frage eines Afroamerikaners, wann denn Amerika seine Blütezeit erlebt habe, verwies Moore noch im September während einer Wahlkampfveranstaltung auf die Zeit der Sklaverei. Kürzlich wurden Aufnahmen einer Radiosendung verbreitet, in der Moore 2011 zu Protokoll gab, das Land stünde besser da, hätte es nach dem 10. Verfassungszusatz keine weiteren Änderungen gegeben. Unter den Zusätzen, die Moore damit als hinderlich bezeichnete, befinden sich unter anderem das Frauenwahlrecht und die Anerkennung der Staatsbürgerschaft ehemaliger Sklaven.