In Zeiten politischer Spannungen mit vielen militärischen Konflikten werden auf der Welt wieder mehr Waffen verkauft. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der 100 größten Rüstungsunternehmen mit Waffen und militärischen Dienstleistungen auf 374,8 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 316 Milliarden Euro, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri berichtete. Nach fünf Jahren des Rückgangs nahmen die Waffenverkäufe damit erstmals seit 2010 wieder zu – im Vergleich zu 2015 um 1,9 Prozent.

Das sei angesichts der anhaltenden politischen Spannungen und laufenden Militärkonflikte in mehreren Ländern zu erwarten gewesen, hieß es aus dem Institut. Zudem hätten mehrere Staaten ihr Militär modernisiert und neue Waffensysteme eingeführt.

Mehr als zwei Drittel der Rüstungseinnahmen gingen an amerikanische Unternehmen, die rund vier Prozent mehr verkauften. Dafür hätten zum einen US-Militäroperationen im Ausland gesorgt. Außerdem hätten andere Länder amerikanische Waffensysteme erworben. Mit seinen Waffen und den Kampfflugzeugen F-35 habe besonders Weltmarktführer Lockheed Martin 10,7 Prozent mehr Umsatz gemacht, sagte Aude Fleurant, Direktorin des Waffen- und Militärausgabenprogramms von Sipri.

Die westeuropäischen Waffenverkäufe blieben nach einem Anstieg im Vorjahr dem Bericht zufolge stabil. Der Umsatz betrug rund 91,6 Milliarden Dollar (rund 77 Milliarden Euro). In Deutschland wuchs das Geschäftsvolumen aber um 6,6 Prozent, vor allem getrieben durch den Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall. "Beide Unternehmen hätten von der Nachfrage nach Waffen in Europa, im Mittleren Osten und in Südostasien profitiert", sagte ein Sipri-Forscher.

Die russischen Produzenten steigerten ihre Verkäufe um 3,8 Prozent – weit weniger stark als in den Vorjahren. Grund seien große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Unter den sich neu herausbildenden großen Waffenfabriken in Brasilien, Indien, Südkorea und der Türkei waren südkoreanische Firmen mit einem Umsatzanstieg von insgesamt 20,6 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar führend. Unter den anderen bereits etablierten Produzenten in Australien, Israel, Japan, Polen, Singapur und Ukraine war der Sipri-Studie zufolge insbesondere ein Rückgang der Waffenverkäufe japanischer und australischer Firmen um 6,4 beziehungsweise 4,3 Prozent auffallend.