Tausende Menschen haben in Russland sich für die Zulassung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zu den Präsidentschaftswahlen versammelt. "Ich freue mich riesig und bin stolz, Ihnen mitteilen zu können, dass ich hier als Kandidat für ganz Russland stehe", sagte Nawalny während einer der Kundgebungen. "Wir sind bereit, zu gewinnen, und wir werden diese Wahl gewinnen."

Nawalny ist der wichtigste Gegenspieler von Staatschef Wladimir Putin. Wegen einer Vorstrafe hatten ihn Behörden nicht zu den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr zugelassen – er darf bis 2028 für kein Amt kandidieren. Nawalny bezeichnet die Verurteilung als politisch motiviert. Die russischen Präsidentschaftswahlen werden im März 2018 abgehalten.

Nawalny hatte am Samstag selbst zu den Versammlungen in 20 Städten aufgerufen. Auf Twitter schrieb er: "Zeigt den Behörden, dass es echte Menschen gibt, die ihren eigenen Kandidaten bestimmen wollen!" Es sei "unmöglich, uns nicht zu der Abstimmung zuzulassen".  Seine Anhänger sollten gemeinsam die örtlichen Büros der Wahlkommission besuchen und seine Zulassung zur Wahl beantragen. Zu jeder Versammlung sollten dafür 500 Menschen kommen, die Mindestzahl an Unterstützern, die ein Präsidentschaftskandidat aufweisen muss. Sollte er nicht zugelassen werden, drohte Nawalny mit einem Boykott der Wahl.

Putins Sieg ist wahrscheinlich

In Moskau kamen mehr als 700 Menschen dem Aufruf nach, im südrussischen Rostow am Don kamen nach Angaben von Nawalnys Kampagne mehr als 800 Menschen, in Jekaterinburg im Ural mehr als 900 und in Nowosibirsk in Sibirien mehr als 700. Während die Kundgebungen der Nawalny-Anhänger ruhig verlaufen seien, versuchte die Polizei eine zeitgleiche Veranstaltung des Oppositionellen Ilja Jaschin im Zentrum von Moskau aufzulösen. Jaschin ist Vorsitzender eines Stadtteilrates und hatte zu einem "Feiertag der freien Wahlen" aufgerufen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei seine Kundgebung aber nicht angemeldet gewesen. 

Viel Aussicht auf Erfolg hätte Nawalnys Kandidatur nicht. Laut Umfragen hat Wladimir Putin einen sicheren Vorsprung. Zuletzt führte er mit 75 bis 80 Prozent weit vor seinen Herausforderern. Im Dezember hatte Putin angekündigt, sich nicht für seine Partei Einiges Russland, sondern als unabhängiger Kandidat für eine vierte Amtszeit zu bewerben. Er hoffe dabei auf breite Unterstützung der politischen Parteien sowie der russischen Gesellschaft, sagte Putin. Noch am Samstagabend hatte sich Putin für eine verantwortungsvolle und handlungsfähige Opposition ausgesprochen. Diese dürfe aber nicht gegen die Regierung kämpfen, sondern müsse einen "klaren Plan für positive Maßnahmen haben", sagte er bei einem Treffen von Einiges Russland.