Der ehemalige russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew ist in einem Bestechungsprozess zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Zusätzlich verhängte das Gericht in Moskau eine Geldstrafe in Höhe von 130 Millionen Rubel (knapp zwei Millionen Euro). Die Anklage hatte eine Strafe von zehn Jahren Haft und mehr als sieben Millionen Euro gefordert.

Die Richterin warf Uljukajew vor, er habe für seine Zustimmung zur Übernahme von Anteilen des Ölkonzerns Baschneft durch den größeren, teilstaatlichen Ölkonzern Rosneft von dessen Chef Igor Setschin Bestechungsgeld verlangt. Uljukajew hatte sich erst gegen das Geschäft ausgesprochen, dann doch eingewilligt – wofür er umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro bekommen haben soll. Bei einer fingierten Bargeldübernahme in der Rosneft-Zentrale wurde Uljukajew im Oktober vergangenen Jahres festgenommen.

Uljukajew, der die Vorwürfe bestreitet, ist der höchstrangige russische Beamte, der seit 1993 festgenommen wurde. Er hatte einem von Setschin vorgeschlagenen Privatisierungsplan für Rosneft kritisch gegenübergestanden, bei dem das Unternehmen seine eigenen Aktien kaufte. Der Fall gegen ihn wurde als persönliche Vendetta gegen ihn gewertet.

Kritiker des Prozesses vermuten, dass das Urteil auch durch die engen Verbindungen Setschins zum Kreml beeinflusst wurde. Uljukajew war ein prominentes Mitglied einer Gruppe Kabinettsmitglieder mit liberaler Auffassung. Setschin ist der bekannteste Vertreter des Hardliner-Lagers der russischen Elite.