Wer in den USA den Nachrichtensender Fox News schaut, lebt in einer einfachen Welt. Sie ist unterteilt in Gut und Böse, richtig und falsch. Wer den prominenten Moderatoren glaubt, lebt auch in einer Welt, in der dem FBI, dem Justizministerium und mehr oder weniger jeder Behörde in Washington, D. C. zu misstrauen ist. 

Eine beliebte Sendung ist Justice with Judge Jeanine. Richterin Jeanine ist Jeanine Pirro. Ihr Markenzeichen ist ein Monolog zu Beginn jeder Sendung. In wenigen Minuten wirft sie darin Verschwörungstheorien auf und beleidigt alle, die gegen Donald Trump sind, "den wir als Präsidenten auserwählt haben". Diesen ihren Präsidenten gilt es zu schützen. Und die größte Gefahr, die Fox News derzeit ausmacht, neben den vermeintlich unseriösen Mainstream-Medien, ist Sonderermittler Robert S. Mueller III. Seit sieben Monaten untersucht der Republikaner, der unter George W. Bush FBI-Direktor war, die Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl im vergangenen Jahr sowie mögliche Absprachen von Trumps Team mit dem Kreml.

Folgt man Jeanine Pirro, hat Mueller keinen Plan und keine Ahnung. "Er hat bis jetzt nicht einen einzigen Beweis geliefert", sagte sie in einer ihrer jüngsten Sendungen und forderte nicht nur, Mueller und andere Offizielle zu feuern, sondern "sie in Handschellen abzuführen". Eine mit Sicherheit quotenbringende Rhetorik. Vergangene Woche legte Pirro noch einmal nach und verglich das FBI mit einer Mafiafamilie, die nicht ertrage, dass Trump Präsident sei und deswegen nun alles versuche, um ihn zu stürzen. Die Trump-Wähler und ihr Präsident auf der guten, das FBI, Sonderermittler Mueller, die Demokraten und alle anderen Medien auf der schlechten Seite – so ist die Fox-News-Welt eingeteilt.

Trump gefällt das Bild offenbar. Laut der New York Times ist Justice with Judge Jeanine eine von seinen Lieblingssendungen. Offiziell würde sich der Präsident der konservativen Fernsehrichterin in ihrem Urteil über Robert Mueller nicht anschließen. Die Linie des Weißen Hauses ist klar: Man kooperiere mit Mueller und habe nichts zu befürchten. 

Bei diesem Vorgehen blieb Trump auch am vergangenen Wochenende, als Anwälte seines ehemaligen Übergangsteams Mueller vorwarfen, Tausende E-Mails zu Unrecht über eine Bundesbehörde in seinen Besitz gebracht zu haben. Da die Dokumente teilweise der juristischen Schweigepflicht unterliegen, hätte das Trump-Team die Möglichkeit haben müssen, die an Mueller übergebenen Dokumente im Vorfeld zu prüfen, argumentieren die Anwälte in einem Schreiben an Kongressabgeordnete. Das Büro des Sonderermittlers wies die Anschuldigungen zurück. Und Trump sagte auf Nachfrage von Journalisten, er habe nicht vor, Mueller zu entlassen.

Ermittlungen haben bislang zu vier Anklagen geführt

Anders als die leidenschaftlichsten Trump-Anhänger und Fox-News-Moderatoren behaupten, kommt Mueller in seiner Arbeit dem inneren Zirkel von Trump durchaus näher. Die Ermittlungen haben bislang zu vier Anklagen geführt, darunter gegen den Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort und Trumps früheren Sicherheitsberater Michael Flynn.

Flynn hatte Anfang Dezember eingeräumt, das FBI über seine Kontakte mit dem russischen Botschafter belogen zu haben. Er wird für Mueller als Kronzeuge fungieren, die Russland-Affäre könnte so ins Weiße Haus führen.