Sudans Präsident Omar al-Baschir hat in zwei Provinzen des Landes für sechs Monate den Notstand ausgerufen. Dies solle bei der Entwaffnung Aufständischer und der Befriedung helfen, teilte Informationsminister Ahmed Mohammed Osman mit. Betroffen sind Kassala und Nordkordofan.

Kassala liegt im Osten des Sudans und grenzt an Eritrea, Nordkordofan befindet sich im Zentrum des Landes und ist im Nordosten der Hauptstadt Khartum benachbart.

In anderen umkämpften Gebieten des Landes gilt seit Langem der Ausnahmezustand, zum Beispiel in Darfur im Westen des Landes und in der südlichen Provinz Blauer Nil. Dort kämpfen verschiedene Rebellengruppen und Milizen gegen Regierungstruppen.

Wegen Völkermordes in Dafur gesucht

Al-Baschir ist seit einem Militärputsch 1989 an der Macht im Sudan, seit 1993 ist er Präsident des Landes. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) verhängte 2009 und 2010 Haftbefehle gegen ihn, seither wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Das bedeutet, dass Mitgliedstaaten des ICC ihn, sobald er ihr Land betritt, festnehmen müssten. Das ist bislang jedoch nie geschehen.

Zuletzt hatte der ICC Mitte Dezember den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan aufgefordert, Al-Baschir bei einem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul festnehmen zu lassen. Erdoğan, der Sudans Präsidenten schon in der Vergangenheit gegen die Vorwürfe des Haager Gerichts verteidigt hatte, nannte diese Forderung "lachhaft".

Al-Baschir werden Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vorgeworfen. Nach UN-Angaben wurden in der Provinz Darfur seit 2003 bei einem Konflikt zwischen Regierung und Rebellen 300.000 Menschen getötet.