Der südafrikanische Vizepräsident Cyril Ramaphosa ist neuer Vorsitzender der Regierungspartei ANC. Deren Delegierten wählten Ramaphosa auf einem Parteitag mit 2.440 Stimmen. Damit hat der 65-Jährige Chancen, 2019 den derzeitigen Präsidenten Jacob Zuma abzulösen.

Ramaphosa setzte sich mit einem knappen Vorsprung gegen Nkosazana Dlamini-Zuma durch. Die Ex-Frau von Zuma erhielt 2.261 Stimmen. 

Das Wahlergebnis ist ein Indikator dafür, wie zerstritten die Partei ist. Ramaphosas Anhänger reagierten auf das Wahlergebnis mit lautem Applaus, die Unterstützer seiner Gegenkandidatin mit einem Pfeifkonzert.

In zwei Jahren finden Parlamentswahlen in Südafrika statt. Wenn der ANC dann eine Mehrheit erhält, dürfte Ramaphosa Präsident werden. Allerdings ist dieses Szenario keinesfalls sicher: Zwar erhielt der ANC bei den Wahlen 2014 eine deutliche Mehrheit. Im vergangenen Jahr verlor er aber bei den Kommunalwahlen in großen Städten wie Johannesburg und Pretoria gegen die Opposition.

Ramaphosa gilt als wirtschaftsfreundlicher und pragmatischer Politiker. Der frühere Gewerkschaftsführer ging in den 1990er Jahren nach dem Ende des Apartheidregimes in die Politik und wurde unter Präsident Nelson Mandela ANC-Generalsekretär. Wenige Jahre später wechselte er in die Wirtschaft und wurde unter anderem mit Investitionen im Bergbausektor zum Multimillionär. Seit 2014 ist er unter Zuma Vizepräsident.  

Ramaphosa stellte sich auf dem ANC-Parteitag als Reformer dar. Er versprach, die Wirtschaft anzukurbeln und Korruption zu bekämpfen.

Viele ANC-Mitglieder sind verärgert von Zuma, dessen Präsidentschaft von Korruptionsaffären und Vorwürfen der Veruntreuung öffentlicher Gelder belastet ist. Sie stimmten daher für Ramaphosa. Zuma hatte auf dem Parteitag für seine Ex-Frau geworben.

In seiner letzten Rede als Parteichef räumte Zuma am Samstag ein, dass die Südafrikaner mit den Ergebnissen der ANC-Herrschaft nicht zufrieden seien. Das betreffe unter anderem die grassierende Korruption und Kriminalität sowie die hohe Arbeitslosigkeit.