Israelische Einsatzkräfte und palästinensische Demonstranten haben sich am Rande des Gazastreifens und im Westjordanland erneut Gefechte geliefert. Dabei wurden mindestens vier Palästinenser getötet. Mindestens 140 weitere wurden verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Die Nachrichtenagentur dpa nennt unter zusätzlicher Berufung auf den palästinensischen Rettungsdienst Roter Halbmond insgesamt etwa 400 Verletzte.

Palästinensische Gruppen hatten diesen Freitag zu einem "Tag des Zorns" erklärt. Im Gazastreifen folgten Tausende Palästinenser dem Aufruf und gingen auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. 

Vor allem nach den muslimischen Freitagsgebeten kam es zu Unruhen. Laut der israelischen Armee warfen etwa 3.500 Palästinenser am Rande des Gazastreifens Brandflaschen und Steine auf Soldaten. Diese hätten daraufhin gezielt auf Anführer geschossen. Zwei Palästinenser, einer von ihnen an beiden Beinen amputiert, wurden während einer Demonstration östlich von Gaza-Stadt getötet. Ein drittes Todesopfer gab es in der Ortschaft Anata zwischen Jerusalem und dem Westjordanland.

Im Westjordanland selbst habe es Konfrontationen mit 2.500 Palästinensern gegeben, teilte das israelische Militär mit. In der Nähe von Ramallah wurde nach Angaben der israelischen Polizei ein Palästinenser niedergeschossen, nachdem er einen Beamten mit einem Messer angegriffen hatte. Er soll einen Sprengstoffgürtel getragen haben.

Israelische Einsatzkräfte setzten vor allem Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza sagte, mehrere Menschen hätten über Atembeschwerden, Herzrasen und Husten geklagt.  

Auch in Israel kam es zu Zusammenstößen, etwa in der Jerusalemer Altstadt. In der israelisch-arabischen Stadt Sachnin protestierten laut einem Bericht 10.000 Menschen. Dies schrieb die Jerusalem Post unter Berufung auf die Gemeinsame Liste der arabischen Abgeordneten im israelischen Parlament.

Nach Trumps Jerusalem-Entscheidung vom 6. Dezember hatte der Anführer der radikalislamischen Hamas zu einer neuen Intifada aufgerufen. Seitdem kam es wiederholt zu massiven Ausschreitungen in Israel, dem Gazastreifen und dem Westjordanland. Außerdem feuerten Palästinenser täglich Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Territorium, woraufhin Israel mehrfach mit Luftangriffen reagierte.

Der Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt. Israel beansprucht seit dem Sechstagekrieg 1967 ganz Jerusalem als unteilbare Hauptstadt. Das war international bisher nicht anerkannt. Die Palästinenser betrachten Ostjerusalem als die Hauptstadt ihres künftigen unabhängigen Staates.