Im Iran ist es am dritten Tag in Folge zu Protesten gegen die Regierung von Präsident Hassan Ruhani gekommen. Vor der Teheraner Universität riefen Studenten "Tod den Taliban", wie die konservative Nachrichtenagentur Fars meldete. Die Aktivisten verglichen damit offenbar iranische Politiker mit der radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Außerdem skandierten sie "Nicht Gaza, nicht Libanon, mein Leben für den Iran" – als Kritik daran, dass die Führung in Teheran Millionen zur Unterstützung proiranischer Gruppen in der Nahostregion ausgebe, statt das Geld für die eigene Bevölkerung aufzuwenden.

Über die Größe des Protests gibt es unterschiedliche Angaben. Fars sprach von 50 bis 70 Aktivisten, während die US-amerikanische Nachrichtenagentur AP Hunderte Teilnehmer nannte. Bis zu 400 Demonstranten seien noch am späten Nachmittag im Universitätsviertel gewesen, teilte wiederum die iranische Presseagentur Mehr mit. Demnach sperrte die Polizei Straßen ab und setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Details und gesicherte Fakten über die Proteste gibt es nur wenige, Informationen kommen vor allem aus sozialen Medien. Einige Videos zeigen Studenten, die sich Handgemenge mit Polizisten liefern und Parolen skandieren. Drei Menschen seien festgenommen, zwei davon aber wieder freigelassen worden, meldete die reformorientierte Nachrichtenagentur Ilna unter Berufung auf einen Verantwortlichen im Wissenschaftsministerium.

Das iranische Innenministerium warnte vor einer Teilnahme an Protesten. "Diese Versammlungen sind illegal", sagte Innenminister Abdulrahman Rahmani Fasli nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Er drohte mit "problematischen Konsequenzen", wenn sich Menschen dennoch an den Veranstaltungen beteiligen. Fasli sagte allerdings, dass das Innenministerium bereit sei, Anträge auf friedliche Demonstrationen zu überprüfen.

Staatsfernsehen nennt Forderungen erstmals berechtigt

Das iranische Staatsfernsehen informierte bislang kaum über die Proteste. Am Samstag gab es erstmalig einen Bericht, in dem von "gerechtfertigten Forderungen der Bevölkerung" die Rede war. Zugleich wurden die Medien und "konterrevolutionäre" Gruppen im Ausland verurteilt, die versuchten, die Proteste zu instrumentalisieren.

Deutlich ausführlicher berichtete das Staatsfernsehen über die staatlich organisierten Demonstrationen, die an diesen Tagen wie jedes Jahr zur Erinnerung an das Ende der letzten großen Proteste von 2009 stattfinden. Demnach gingen ebenfalls am Samstag Tausende Regierungsbefürworter in Teheran und anderen Städten auf die Straße. Viele hielten Transparente des geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei in die Höhe.

Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP demonstrierten auch regierungstreue Studenten in der iranischen Hauptstadt. Diese hätten die kritischen Studenten vom Haupteingang der Teheraner Universität vertreiben können, weil sie in der Überzahl gewesen seien.

Im Juni 2009 hatte der konservative Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentschaftswahl nach offiziellen Angaben 85 Prozent der Stimmen erhalten. Regimegegner warfen ihm daraufhin Wahlmanipulation vor und gingen über einige Monate auf die Straße. Mehrere Menschen kamen bei den Unruhen ums Leben.

Seit Donnerstag kommt es im Iran nun erneut zu Protesten. Zunächst wurde in Maschhad demonstriert, dann in mehreren anderen Städten. Die Demonstranten kritisieren die gestiegenen Preise für Lebensmittel und die hohe Arbeitslosigkeit, aber auch die Regierung insgesamt. Nach offiziellen Angaben wurden bislang mehr als 50 von ihnen festgenommen. Die Proteste setzen Präsident Hassan Ruhani zusätzlich unter Druck, dessen internationales Atomabkommen in Gefahr ist. Viele Iraner kritisieren, dass die Vereinbarung ihnen noch keine wirtschaftlichen Vorteile gebracht hat.

Proteste auch in Deutschland

Im Iran sind derartige Demonstrationen selten, die derzeitigen Entwicklungen werden daher international aufmerksam verfolgt. Die USA etwa verurteilten die Festnahmen von Aktivisten und drückten ihre Unterstützung für die Proteste aus. US-Präsident Donald Trump twitterte: "Die Welt schaut hin." Von der iranischen Führung hieß es hingegen, sie werde diese "wertlosen und opportunistischen Bemerkungen der Amerikaner nicht beachten". Die Regierung von Trump, die Iranern sogar die Einreise in die USA verbiete, solle sich nun nicht besorgt um das iranische Volk zeigen, sagte ein Sprecher.

Auch in Deutschland gab es Proteste: In Berlin demonstrierten am Freitag etwa 50, am Samstag gut 100 Menschen vor der iranischen Botschaft. Nach Polizeiangaben forderten sie die Freilassung der Festgenommenen.