Der Prozess gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung Cumhuriyet ist bis 9. März vertagt worden. Die Anhörung wurde vorübergehend unterbrochen, nachdem Richter Abdurrahman Orkun Dağ den angeklagten Journalisten Ahmet Şık des Saals verwiesen hatte. Şık hatte bei seiner Verteidigung die Regierung kritisiert und von einem "diktatorischen Regime" gesprochen. Unterstützer des Journalisten riefen: "Auch ihr werdet alle eines Tages vor Gericht gestellt werden." Neben Şık bleiben damit mindestens bis zur Fortsetzung der Verhandlung auch drei weitere Angeklagte in Untersuchungshaft.

Die 17 Journalisten und Mitarbeiter der traditionsreichen Zeitung sind der "Unterstützung von Terrororganisationen" angeklagt. Dazu zählt unter anderem die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, die Präsident Recep Tayyip Erdoğan für den Putschversuch in der Türkei vom Juli 2016 verantwortlich macht. Den Angeklagten drohen bis zu 43 Jahre Haft. Sie weisen alle Vorwürfe zurück. Viele Unterstützer betrachten den Prozess als politisch motiviert.

Im Oktober 2016 waren neben weiteren Mitarbeitern Cumhuriyet-Chefredakteur Murat Sabuncu und Herausgeber Akın Atalay festgenommen worden. Später folgten der Investigativjournalist Şık und der Buchhalter der Zeitung, Yusuf Emre İper. Der Prozess begann am 24. Juli. Während die meisten Mitarbeiter bei den ersten Anhörungen für die Dauer des Prozesses freigelassen wurden, sitzen Sabuncu, Atalay, Şık und İper weiter in Haft. Der Chefredakteur des Onlineauftritts der Zeitung, Oğuz Güven, war Ende November unter anderem wegen Propaganda für die Gülen-Bewegung zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden.

Vor dem Istanbuler Justizpalast Çağlayan versammelten sich Dutzende Unterstützer der Angeklagten und forderten auf Plakaten unter anderem "Gerechtigkeit für alle Journalisten". Einige hielten die Titelseite der aktuellen Cumhuriyet hoch, auf der steht: "Gerechtigkeit sofort".

Seit dem versuchten Militärputsch wurden in der Türkei mehr als 55.000 Menschen unter dem Verdacht festgenommen, zur Gülen-Bewegung zu gehören. Auch Hunderte Oppositionelle, Journalisten, Akademiker und andere regierungskritische Intellektuelle wurden inhaftiert.