In der Ukraine haben die Kriegsparteien erstmals seit 2014 wieder in größerem Umfang Gefangene ausgetauscht. Insgesamt ließ die ukrainische Seite 237 Gefangene frei, die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk ermöglichten 73 Gefangenen die Rückkehr. "Das ist ein frohes Ereignis, auf das Hunderte Familien gewartet haben", sagte der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma, einer der Kiewer Unterhändler. 

Separatisten und die Regierung hatten den Austausch monatelang verhandelt. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hatte vermittelt, der russische Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatten mitverhandelt.

Beide Seiten warfen einander vor, weiter Gefangene festzuhalten. Die Minsker Friedensregelung von 2015 sieht eigentlich eine bedingungslose Freilassung aller Gefangenen vor. Eigentlich war vereinbart worden, dass aus der Ukraine 306 Gefangene und aus den Separatistengebieten 74 Gefangene freikommen.

Merkel und Macron fordern weitere Freilassungen

Der Gefangenenaustausch sollte der größte seit Beginn des Krieges in der Ostukraine vor knapp vier Jahren sein. Den letzten hatte es im September 2016 gegeben. Damals ließ die ukrainische Regierung vier Separatisten frei, die Rebellen ließen wiederum zwei Gefangene gehen.   

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass sie die Konfliktparteien ermutigen, den Austausch auch der noch verbliebenen Gefangenen zu ermöglichen. Außerdem solle dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) vollständiger Zugang gewährt werden. 

Seit 2014 sind im Konflikt in der Ostukraine mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Es wird vermutet, dass beide Seiten weiterhin zahlreiche Menschen gefangen halten.