Ausgerechnet Hillary Clinton fasste das neue Selbstbewusstsein der Demokraten noch in der Wahlnacht am Dienstag zusammen. "Wenn die Demokraten in Alabama gewinnen können, dann können – und müssen – wir überall kämpfen", twitterte die ehemalige Präsidentschaftskandidatin. Wie schwer das ist, hatte Clinton dabei im vergangenen Jahr selbst feststellen müssen. In Scharen hatte vor allem die weißen Arbeiterschicht das Lager gewechselt und sich hinter Donald Trump versammelt, während es den Demokraten nicht gelang, die alte Obama-Koalition aus Afroamerikanern, Liberalen und Minderheiten ausreichend zu mobilisieren, um die Verluste wettzumachen.

Mit dem Sieg in Alabama, wo sich zum ersten Mal seit 25 Jahren ein Demokrat durchsetzen konnte, haben viele in der Partei die Hoffnung, die alte Basis, die Barack Obama zum Einzug ins Weiße Haus verhalf, sei zurück. Schließlich war es vor allem die hohe Wahlbeteiligung der schwarzen Bevölkerung, die Doug Jones am Dienstag zum Sieg in dem tiefroten Bundesstaat verholfen hatte. 96 Prozent von ihnen wählten demokratisch. Bei den Weißen dagegen waren es gerade mal 30, hatten sie keinen College-Abschluss, sogar nur 22 Prozent.

Die Demokraten hätten ein Jahr darauf verschwendet, zu jammern und Nabelschau zu betreiben, um herauszufinden, wie sie die Trump-Wähler zurückerobern können, schrieb Steve Phillips vom Center for American Progress in einem Gastbeitrag für das Magazin The Nation. Doch auch nach Monaten voller Initiativen, Studien und Kampagnen sei der Stimmenanteil der weißen Arbeiterschicht bei den Demokraten kaum gestiegen. "Wir haben das Potenzial ausgeschöpft", so Phillips. Ihre Stimmen sichern zu wollen, sei "reine Zeitverschwendung".

Vorwürfe wegen sexueller Belästigung verhallen

Die Warnungen politischer Beobachter, den Fall Alabama nicht als Blaupause zu verwenden, weil der Skandal um Roy Moore auch eine Protestwahl gegen den Hardliner gewesen sei, der sich Vorwürfen wegen sexueller Belästigung von Teenagern gegenübersah, verhallen. Vor den wichtigen Kongresswahlen im kommenden Jahr, bei denen die Demokraten die Mehrheit in einer der Kammern zurückerobern und die Agenda des Präsidenten zur Halbzeit ausbremsen wollen, sehen viele in der Partei die Kehrtwende. "Im Zeitalter von Trump müssen wir vor allem die eigene Basis mobilisieren, nicht verzweifelt auf die Wechselwähler setzen", sagt auch der demokratische Stratege Geoff Garin.

 Fast ein Jahr nach dem Amtsantritt bleibt die Koalition hinter dem Präsidenten weitgehend stabil. 76 Prozent der Republikaner stehen laut einer Umfrage des Pew Research Center nach wie vor hinter ihrem Präsidenten, vor zehn Monaten waren es 84 Prozent. Auch eine Mehrheit der Evangelikalen im Land unterstützt die Politik von Trump weiterhin – trotz der Debatte um sexuelle Übergriffe gegen Frauen, von der auch der Präsident betroffen ist.

Das schreckte viele Demokraten ab, sich zu eindeutig gegen Trump zu positionieren. Ralph Northam, der sich im November in Virginia als Gouverneur durchsetzte, griff den Präsidenten zwar im Vorwahlkampf um die demokratische Nominierung noch als "narzisstischen Verrückten" an. Im Rennen gegen seinen republikanischen Kontrahenten bemühte Northam sich dann aber peinlichst, auf weitere Frontalangriffe zu verzichten. Auch Doug Jones verkaufte sich im erzkonservativen Alabama vor allem als Pragmatist und beschränkte seine Attacken lieber auf seinen skandalgeplagten republikanischen Gegner, anstatt die Wahl zu einem Referendum über die Politik Donald Trumps zu machen.