Der demokratische Senator Al Franken könnte schon bald aufgrund von Vorwürfen sexueller Übergriffe zurücktreten. Eine Stellungnahme will der Politiker am heutigen Donnerstag abgeben. Aus seinem Büro heißt es aber derzeit noch: "Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht getroffen."

Unter Berufung auf den demokratischen Gouverneur Mark Dayton meldete ein Radiosender aus Frankens Heimatstadt Minnesota, Franken werde sein Amt abgeben. Dem Beitrag nach werde Dayton einen Nachfolger benennen, der dann bis zur Halbzeitwahl im November 2019 amtieren solle.

In den vergangenen Tagen hatte sich der Druck auf Franken deutlich erhöht. Vor allem aus den eigenen Reihen: Mehr als 30 der 48 demokratischen Abgeordneten im US-Senat forderten ihn zum Rücktritt auf – zuletzt auch der Minderheitsführer der Kongresskammer, Charles Schumer. Der betrachte Franken zwar als Freund und respektiere seine Leistungen, doch habe er den Wählern und dem Senat gegenüber eine größere Verpflichtung und müsse sofort seinen Rücktritt einreichen.

Franken war mit einem neuen Vorwurf des sexuellen Fehlverhaltens konfrontiert worden, als eine ehemalige demokratische Kongressmitarbeiterin laut Politico sagte, Franken habe 2006 versucht, sie nach einer Aufzeichnung seiner Radioshow gegen ihren Willen zu küssen. Mehrere andere Frauen beschuldigen ihn, sie begrapscht zu haben oder versucht zu haben, sie von ihnen ungewollt zu küssen. Der Ethikausschuss des Senats ermittelt in der Sache.

Der 66-jährige Franken ist in den USA ein prominentes Mitglied der Demokratischen Partei. Mitglied des US-Senats ist es seit 2008. Bevor er eine Karriere als Politiker startete, war er unter anderem als Radiomoderator tätig. Er trat auch in der beliebten Sendung Saturday Night Live auf. 

Nach den Enthüllungen über die ehemalige Hollywood-Größe Harvey Weinstein kam in den USA eine ganze Reihe von Anschuldigungen gegen mächtige Männer aus der Medien- und der Unterhaltungsbranche sowie der Politik ans Licht. In der US-Politik steht gegenwärtig der Senatskandidat für die Republikaner in Alabama, Roy Moore, im Kreuzfeuer. Mehrere Frauen werfen ihm Übergriffe vor. Am Dienstag wird in Alabama gewählt.