Sein Sieg war überraschend und knapp: Der Demokrat Doug Jones hat laut Medienberichten die Senatsnachwahl im US-Bundesstaat Alabama gewonnen. Er kam auf 49,4 Prozent der Stimmen, wie die New York Times meldete. Sein Konkurrent Roy Moore erhielt 48,4 Prozent der Wählerstimmen.

Zuletzt galt ein Sieg des umstrittenen Trump-Kandidaten Moore als wahrscheinlich, die Wahl für die Republikaner im tief konservativen Alabama eigentlich als sicher. Der letzte Sieg eines Demokraten liegt Jahrzehnte zurück. Jones bedankte sich via Twitter:

Moore erkannte das Wahlergebnis zunächst nicht an. "Es ist noch nicht vorbei", rief er seinen Anhänger vor der Wahlkampfzentrale in Montgomery zu. Das Wahlergebnis müsse noch bestätigt  und Stimmen ausgezählt werden. Bis dahin werde er "auf Gott hoffen".

Der frühere Richter Moore war im Wahlkampf in die Schlagzeilen geraten, weil mehrere Frauen ihm öffentlich vorgeworfen hatten, er habe sich in den Siebzigerjahren sexuell an ihnen vergangenen. Eines der mutmaßlichen Opfer war damals noch minderjährig. Zahlreiche republikanische Mitglieder des Senats distanzierten sich daraufhin von ihm. Aber auch zuvor hatte Moore bereits mit fragwürdigen Äußerungen, etwa gegen Homosexuelle, für Aufsehen gesorgt.

Schwierige Verhältnisse für Trump

Der Sieg des Demokraten ist für US-Präsident Donald Trump ein politischer Dämpfer: Im Senat, der 100 Sitze umfasst, hatten die Republikaner eine knappe Mehrheit von zwei Sitzen. Nun haben sie noch 51 Sitze. Das macht große Gesetzesvorhaben wie etwa die bevorstehende Steuerreform für Trump deutlich schwieriger. 

Die Niederlage in Alabama kommt in einer schwierigen Zeit für den US-Präsidenten. Seine Umfragewerte sind auf einem neuen Tief angelangt. Wählerbefragungen nach der Abstimmung zeigten: Hatte Donald Trump bei der Präsidentenwahl 2016 in Alabama noch 62 Prozent der Wählerstimmen gewinnen können, liegen seine Zustimmungswerte aktuell bei nur noch 48 Prozent. Für den republikanischen Kandidaten, der zu Trumps Anti-Establishment-Bewegung zählt, hatte sich der US-Präsident bis zuletzt eingesetzt. Noch am Wahltag appellierte er an die Bürger von Alabama, Moore in die Washingtoner Kongresskammer zu wählen.

Moores Rivalen Jones hielt Trump unter anderem vor, "schwach" in der Verbrechensbekämpfung und im Vorgehen gegen die illegale Einwanderung zu sein. Nach dem Sieg gratulierte Trump per Twitter: "Glückwunsch an Doug Jones zu diesem hart umkämpften Sieg."

Die Wähler hatten die Möglichkeit, eigene Kandidaten händisch auf den Stimmzettel zu schreiben. Das habe für das Ergebnis eine große Rolle gespielt, twitterte der US-Präsident. "Die Republikaner werden sehr bald wieder eine Chance auf diesen Sitz haben." 

Hochrechnungen zufolge entschieden sich knapp zwei Prozent der Wähler für den händischen Eintrag auf ihrem Wahlzettel. Es wird vermutet, dass es vor allem konservative Wähler waren, die weder Moore als tragbar noch Jones als unterstützenswert empfanden. Der Republikaner Josh Holmes bezeichnete das Ergebnis für seine Partei in Alabama als "nationale Schande".