In Anlehnung an das berühmte Bild Der Recke am Scheideweg von Wiktor Wasnezow ist Wladimir Putin derzeit bei der Kunstausstellung "Super-Putin" in Moskau zu sehen. Allerdings reitet der russische Präsident nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Bären. Das wirkt noch stärker. Auch im echten Leben ist der mittlerweile 65-Jährige bekanntermaßen ein Meister der Selbstinszenierung. Was Putin auch anpackt, es scheint ihm zu gelingen.

Andere Politiker wie etwa Putins US-Kollege Donald Trump preisen ihn deshalb als "starken Anführer". Und auch zu Hause bleibt der Kremlchef wohl auch 2018 die unangefochtene Nummer eins. An seiner erneuten Wiederwahl im März zweifelt in Russland keiner. Die Gründe dafür liegen auch im ablaufenden Jahr 2017.

In Syrien, in der Ukraine und sogar in Nordkorea führte 2017 am Kremlchef kein Weg vorbei. Dieses Jahr war ein Superjahr für Russlands Machthaber. Putin ist endgültig zurück auf der Weltbühne, könnte man denken. Grund genug mit dieser These eine kleine kritische Bilanz aus Putins Geopolitik zu ziehen.

Als der russische Staatschef vor etwa zwei Jahren seine Soldaten und Kampfjets nach Syrien schickte, ging es ihm vor allem um zwei Ziele: das verbündete Assad-Regime vor dem drohenden Sturz zu bewahren und die Isolierung Russlands durch den Westen aufgrund der Ukraine-Krise zu überwinden. Offiziell sprach Putin auch noch über den IS, aber darum ging es nur sekundär, als Russland Ende September 2015 zunächst nur mit Kampfjets in den syrischen Bürgerkrieg eingriff.

Heute ist Putin wohl der einflussreichste Akteur in Syrien. Er hat auf den Kriegsfeldern viel erreicht. Assad ist Präsident von seinen Gnaden und Russland ist heute von wichtigen Gipfeltreffen im Nahen Osten kaum noch wegzudenken. Ob der Iran oder die Türkei – mit beiden Ländern kann nur in Abstimmung mit Putin eine Vereinbarung erzielt werden.

Hat Putin also doch alles richtig gemacht? Gewiss nicht. Russlands vermeintlicher Sieg in Syrien wird von Tausenden unschuldigen Toten und millionenfachem Leid überschattet. Russland nahm in Syrien in Kauf, dass Assads Truppen ganze Städte in Schutt und Asche legten. Aleppo, einst blühende Handelsmetropole, wurde vor den Augen der internationalen Gemeinschaft dem Erdboden gleichgemacht. Zudem versuchte Putin, den verbrecherischen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Armee zynisch zu vertuschen. Dutzende Menschen starben bei dem Giftgasangriff in der Stadt Chan Scheichun im Nordwesten Syriens. So einfach wird Russland diese Last des Syrien-Kriegs nicht los.

Mit diesem Hintergrundwissen relativieren sich viele vermeintlich positive Meldungen über Assad und Putin. Zwar ist erst vor Kurzem die achte Runde der Genfer Syrien-Gespräche ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Der UN-Sicherheitsrat scheint momentan hilflos und handlungsunfähig zu sein. Doch langfristig wird es in Syrien keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben. Mit diesem Problem wird sich auch Putin befassen müssen.