In der brasilianischen Stadt Porto Alegre sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um den ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zu unterstützen. Lula selbst griff bei einer Kundgebung zum Mikrofon, auch seine Nachfolgerin, Dilma Rousseff, sprach auf der Protestveranstaltung. Die Arbeiterpartei (PT) bringt seit Tagen Lulas Anhänger aus dem ganzen Land mit Bussen in die Stadt im Süden Brasiliens. Rechte Gruppen riefen für Mittwoch zu Gegenprotesten auf. Die Polizei holte Soldaten zur Verstärkung.

Lula war im vergangenen Jahr wegen Korruption zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Am Mittwoch entscheidet ein Berufungsgericht über dieses Urteil. Falls das Gericht die Strafe aufheben sollte, kann Lula womöglich zu der Präsidentschaftswahl antreten, die im Oktober stattfindet. Er führt derzeit die Umfragen an.

"Früher haben wir gegen die Militärdiktatur Widerstand geleistet, jetzt geht es um Widerstand gegen einen parlamentarischen Staatsstreich", sagte Dilma Rousseff auf einer Kundgebung. "Was auch geschieht, wir werden Lula unterstützen", sagte sie. Sie sei überzeugt, dass Brasilien unregierbar würde, wenn Lula nicht kandidieren dürfe.

Lula bezeichnet die Prozesse als politisch motiviert

Rousseff hatte 2011 das Präsidentenamt von Lula übernommen, wurde aber 2016 in einem umstrittenen Verfahren des Amtes enthoben. Während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 gehörte sie einer Guerillaorganisation an und wurde deswegen verhaftet und gefoltert.

Lula hatte Brasilien zwischen 2003 und 2011 regiert. Ihm war im vergangenen Juni wegen der Verwicklung in einen Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras der Prozess gemacht worden, an dessen Ende er verurteilt worden ist. Insgesamt laufen gegen ihn zehn Prozesse. Lula wies die Vorwürfe stets zurück. Das gerichtliche Vorgehen gegen ihn sei politisch motiviert, sagt er.

Die Affäre um den staatlichen Ölkonzern Petrobras beschäftigt die brasilianische Justiz seit Jahren. Der Konzern soll Aufträge zu überteuerten Bedingungen an Baukonzerne und andere Firmen vergeben haben. Diese wiederum sollen Bestechungsgelder an Politiker und Parteien gezahlt haben.

Zahlreiche Geschäftsleute und Politiker verschiedener Parteien sind in die Affäre verwickelt. Auch gegen den amtierenden Präsidenten Michel Temer von der rechtskonservativen Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) gibt es Korruptionsvorwürfe, mehrere Minister seiner Regierung sind bereits zurückgetreten.