Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will kein neues nicht genehmigtes Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais zulassen. Seine Regierung werde nicht erlauben, dass ein neuer "Dschungel" entstehe, sagte er bei einem Besuch in der Stadt am Ärmelkanal, von der aus viele Menschen nach Großbritannien zu gelangen versuchen.

Die Behörden hatten im Oktober 2016 ein riesiges, slumartiges Flüchtlingslager geräumt, das europaweit als "Dschungel von Calais" bekannt geworden war und in dem zeitweise bis zu 8.000 Menschen auf engstem Raum lebten. Macron will auf einem britisch-französischen Gipfel am Donnerstag über eine bessere Sicherung des Hafens und des Tunnels unter dem Ärmelkanal sprechen.

Calais sei keine "Geheimtür" nach Großbritannien, sondern eine "Sackgasse" für die Flüchtlinge, sagte Macron in einer Rede vor Sicherheitskräften. Er kündigte erneut schnellere Abschiebungen für nicht Schutzbedürftige an. Dabei verwies er auf das Vorbild Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vertrete eine "mutige Flüchtlingspolitik". Aber die Bundesregierung gehe bei der Abschiebung auch deutlich härter vor.

Kritik an Hilfsorganisationen

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit etwa 600 Migranten auf, die versuchen, versteckt auf Lastern auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Macron warnte, insbesondere das Problem unbegleiteter Minderjähriger bestehe weiter. Er erwarte von der britischen Regierungschefin Theresa May bei dem Gipfel am Donnerstag "konkrete Antworten". Frankreich fordert von London mehr finanzielle Unterstützung für die Grenzkontrollen. Die Verhandlungen über Veränderungen an der Vereinbarung liefen, verlautete aus Macrons Büro. So werde erwogen, ein französisch-britisches Team zu bilden, das Fälle von Flüchtlingen bearbeiten solle, die legitime Gründe für die Einreise nach Großbritannien vorweisen könnten.

Vorwürfe erhob Macron gegen Hilfsorganisationen: Sie förderten die "Illegalität", indem sie etwa Essen verteilten, und verbreiteten zum Teil "Lügen" über Polizeieinsätze. Die Essensausgabe an Flüchtlinge solle künftig staatlich organisiert werden, kündigte Macron an.