Ron Johnson hält sich mit seinen Vorwürfen gegen das FBI nicht zurück. Auf höchster Ebene der wohl wichtigsten Ermittlungsbehörde der USA herrsche eine "unfassbare Befangenheit", behauptete der Abgeordnete aus Wisconsin erst vor wenigen Tagen gegenüber dem Radiosender NPR. Er schließe inzwischen nicht mehr aus, sagte der Vorsitzende des einflussreichen Heimatschutz-Ausschusses im Senat, dass es eine "Geheimgesellschaft" von Top-Behördenmitarbeitern gebe, die alles tue, um ihre Agenda gegen den Präsidenten voranzubringen. Sonderermittler Robert Mueller, folgerte Johnson auf Nachfrage, habe zahlreiche Interessenkonflikte und sei "schlicht zu nah dran".

Die Ermittlungen zu möglichen Verbindungen zwischen dem Kreml und dem Wahlkampfteam von Donald Trump haben in den vergangenen Wochen mit mehreren Anklagen gegen ehemalige Mitarbeiter zu ersten Konsequenzen geführt, und eine Befragung des Präsidenten selbst wird wahrscheinlicher. Und seit klar ist, dass es ernst wird, hat auch die Kritik an den zuständigen Behörden zugenommen. Sie kommt auch längst nicht mehr nur aus dem Weißen Haus. In Interviews und Meinungsbeiträgen für konservative Medien zweifeln inzwischen auch führende Konservative im Kongress immer wieder offen die Motive der Ermittler an.

"Die Partei versucht, die Arbeit des FBI und anderer Behörden vorsorglich zu unterwandern", sagt Steffen Schmidt, Politikwissenschaftler an der Iowa State University und langjähriger Berater des Verteidigungsministeriums. Indem sie die Glaubwürdigkeit der Ermittlungen bereits jetzt anzweifelten, könnten die Republikaner später rechtfertigen, warum sie trotz möglicher Belege der Ermittler kein Amtsenthebungsverfahren anstrengen. Zugleich treibe einige Parteimitglieder die Angst um, die Trump-Basis vor den Kongresswahlen im November zu verschrecken, wenn sie sich eben genau in dem Moment nicht mehr hinter den Präsidenten stellten, in dem sich die Schlinge um ihn zuziehe.

"Schlimmer als Watergate"

Es sind nicht nur vereinzelte Hardliner, die die Glaubwürdigkeit der Untersuchungen infrage stellen: Die Abstimmung darüber, bald ein umstrittenes Dokument zu veröffentlichen, das aus Sicht der Republikaner die Befangenheit des FBI belegen soll, verlief am Montagabend im zuständigen 22-köpfigen Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses entlang der Parteilinien. In dem Papier werfen die Autoren der Behörde unter anderem vor, das Wahlkampfteam von Donald Trump rechtswidrig abgehört zu haben und ihre Arbeit auf die Recherchen eines Dossiers zu stützen, das mit Geld aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton finanziert worden sei. Das Ganze sei "schlimmer als Watergate", schrieb der Abgeordnete Steve King aus Iowa auf Twitter, nachdem er das Papier gelesen hatte.

Die Demokraten kritisieren das Dokument als "Ansammlung von Verzerrungen und konservativer Platitüden", die zum Ziel hätten, den Ruf der Ermittler zu schädigen und den Präsidenten zu schützen. Mehrere Anträge der Opposition, mit dem Dokument auch ihre eigene Einschätzung zu veröffentlichen, lehnte die republikanische Mehrheit ab. Selbst die Warnung des Justizministeriums, das Papier nicht ohne angemessene Stellungnahme und Prüfung freizugeben, ignorierte der Ausschuss. "Die Republikaner tun derzeit alles, um den Präsidenten und die eigene Agenda zu schützen", sagt Ross Baker von der Rutgers Universität in New Jersey. Weil sie wüssten, dass sie Mueller nicht einschüchtern können, beeinflussten sie stattdessen die Öffentlichkeit.

Dort zeigt das Vorgehen Wirkung. In einer Umfrage vermutete mehr als die Hälfte der Amerikaner bereits Mitte Dezember, Sonderermittler Robert Mueller habe einen Interessenkonflikt. Mehr als 60 Prozent der Befragten waren der Ansicht, das FBI habe dem Kongress Informationen vorenthalten. In einer Befragung des Gallup-Instituts Anfang Januar hatte das FBI als einzige von 13 Behörden gegenüber 2014 an Ansehen verloren. Und auch innerhalb der Behörde selbst bleiben die Angriffe nicht ohne Wirkung: Der stellvertretende FBI-Chef Andrew McCabe trat am Montag wegen des wachsenden Drucks vorzeitig zurück. "Es ist ein gefährliches Spiel, das die Republikaner spielen", sagt Schmidt. 

"Die Vorwürfe ergeben Sinn"

In den vergangenen Wochen hatten die FBI-Skeptiker neuen Stoff für ihre Theorien bekommen. Erst tauchten Textnachrichten zweier Agenten aus dem Wahlkampf auf, in denen diese ihrem Unmut über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Luft machten und über eine "Geheimgesellschaft" innerhalb der Behörde scherzten. Kurz darauf wurde bekannt, dass ein Großteil der Textnachrichten zwischen Dezember und Mai verloren gegangen war – genau aus jener Zeit also, in der der Präsident den damaligen FBI-Chef James Comey entlassen hatte und Mueller seine Arbeit aufnahm. Die Ermittlungsbehörden hätten sich Fehltritte erlaubt, es lohne sich, diese genauer anzuschauen, meint der konservative Politikbeobachter Charles Lipson von der Universität Chicago. "Die Vorwürfe ergeben Sinn."

Allerdings: Die Behörde selbst hatte die beiden Mitarbeiter nach Bekanntwerden der Unterhaltungen schon im Sommer aus dem Team um Sonderermittler Mueller abgezogen. Das FBI erklärte die Lücken mit einem technischen Fehler, der auch Tausende andere Android-Geräte betroffen habe. Am Donnerstag schließlich gab das Justizministerium bekannt, die fehlenden Nachrichten seien wiederhergestellt. Auf die Frage des Senders ABC, ob die Erwähnung einer "Geheimgesellschaft" nicht vielleicht bloß als Witz gemeint sein könne, räumte auch Ron Johnson ein: "Das ist durchaus möglich." Auch die Tatsache, dass Ex-FBI-Chef Comey durch seinen Umgang mit den Ermittlungen zu Hillary Clintons E-Mails ja eher Trump als seiner Gegnerin geholfen haben dürfte, passt nicht recht ins Bild.

Rod Rosenstein, stellvertretender Justizminister und damit auch verantwortlich für das Team von Sonderermittler Mueller, sah sich angesichts der anhaltenden Kritik gezwungen, öffentlich sein Vertrauen gegenüber den FBI-Ermittlern zu demonstrieren. "Uns ist bewusst, dass unsere Mitarbeiter eigene politische Meinungen haben", sagte Rosenstein in der vergangenen Woche. "Es liegt in unserer Verantwortung sicherzustellen, dass diese Meinungen keinen Einfluss auf ihre Arbeit haben."

Entsprechend gibt es auch bei den Republikanern vereinzelte Versuche, die Wogen zu glätten und die Arbeit des FBI nicht zu verteufeln. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass die Behörde bewusst Informationen zurückhalte, sagte Richard Burr, Johnsons Parteikollege im Senat und Vorsitzender des dortigen Russland-Ermittlungsausschusses, in einem Fernsehinterview. Das aber sei nicht genug, um den angerichteten Schaden zu beheben, meint Ross Baker: "Die Partei hat es aufgegeben, die Institutionen vor dem Übergriff des Präsidenten zu schützen."