WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist seit dem 12. Dezember im Besitz der ecuadorianischen Staatsbürgerschaft. Das teilte Außenministerin María Fernanda Espinosa mit. Ihr Land habe sich für die Einbürgerung des Australiers entschieden, während es "weiter nach Wegen zu einer Lösung" der Lage sucht.

Auf Twitter veröffentlichte Assange bereits am Mittwoch ein Foto von sich im Nationaltrikots des Landes, ohne dies jedoch näher einzuordnen. Offenbar entstand es, kurz nachdem er eine ecuadorianische Ausweisnummer erhalten hatte.

Laut Espinosa hat die ecuadorianische Regierung die britische Regierung darum gebeten, Assange einen Diplomatenstatus und damit Immunität zu gewähren. Das britische Außenministerium habe diesen Antrag aber abgelehnt. Ecuador weiß, dass der Weg zur Lösung der Angelegenheit ist, dass Julian Assange die Botschaft verlässt und sich der Justiz stellt", hatte ein Sprecher des Ministeriums zuvor mitgeteilt.

Ecuadors neue Präsidentin will Assange loswerden

Assange sitzt seit 2012 in der Botschaft Ecuadors im Londoner Stadtteil Knightsbridge fest. Dorthin hatte er sich vor dem Zugriff der Behörden von gleich drei Staaten in Sicherheit gebracht. Auslöser waren Ermittlungen in Schweden wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung. Assange hat diese stets bestritten. Der 45-Jährige fürchtete seine Festnahme in Großbritannien, die Auslieferung nach Schweden und von dort letztlich die Überstellung an die USA, wo er sich wegen der Enthüllungen seiner Plattform verantworten muss.

2010 hatte WikiLeaks – unter Federführung von Assange und des Deutschen Daniel Domscheit-Berg – mehr als 250.000 vertrauliche Dokumente von US-Botschaften veröffentlicht. Sie enthüllten unter anderem Details über das Vorgehen der US-Streitkräfte bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Eine der wichtigsten Quellen war dabei die US-Whistleblowerin Chelsea Manning, die inzwischen vom früheren Präsidenten Obama begnadigt wurde.

Seitdem sieht sich Assange als "politischer Flüchtling", der um seine Rechte gebracht wurde. Ecuadors damaliger linksgerichteter Präsident Rafael Correa hatte ihm daraufhin aus humanitären Gründen Asyl gewährt. Correas Nachfolger Lenín Moreno will den jahrelangen Aufenthalt in der Botschaft aber beenden und kündigte ein Vermittlungsverfahren an.  Mit einem Diplomatenstatus hätte Assange beim Verlassen der Botschaft einer Festnahme durch die britischen Behörden entgehen können.

UN kritisieren Assanges "unrechtmäßige Haft"

Sein Fall war inzwischen auch den Vereinten Nationen (UN) einen Bericht wert. Darin forderten sie bereits vor mehr als einem Jahr, dass sich der Australier frei bewegen können muss. UN-Rechtsexperten beurteilten den jahrelangen Aufenthalt in der Botschaft als unrechtmäßige Haft, für die das juristische Vorgehen Schwedens und Großbritanniens verantwortlich sei. Assange müsse für die erzwungene Zuflucht in die Botschaft sowie für eine zuvor erlittene Haftzeit und Hausarrest seit Dezember 2010 entschädigt werden.

Die britischen Behörden erkannten den UN-Bericht nicht an. Sie vertreten den Standpunkt, dass Assange sich freiwillig in der Botschaft aufhalte. Die Londoner Polizei, die bis vor Kurzem ständig Beamte vor der Botschaft postiert hatte, kündigte an, Assange würde umgehend verhaftet, sollte er das Botschaftsgelände verlassen.

Zuletzt geriet Assange während des Präsidentschaftswahlkampfs in den Fokus der Öffentlichkeit. WikiLeaks veröffentlichte zahlreiche E-Mails, die Hacker von Computern der demokratischen Parteiführung gestohlen hatten. Die Dokumente offenbarten Machtkämpfe im Lager von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Das schadete ihrem Wahlkampf. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hackerangriffen zu stehen. Assange teilte dagegen mit, seine Quelle sei kein Staat.