Der Autor Michael Wolff hat sich im Gespräch mit der ZEIT zu seinem Enthüllungsbuch Fire and Fury geäußert. "Ich denke, die meisten wollen einfach das Schlimmste verhindern", beschreibt Wolff das Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu seinen engsten Mitarbeitern. "Sie sind da, um diesen Typen irgendwie auf einem engen, klaren Pfad zu halten. Die Mitarbeiter versuchen, Trump zu kontrollieren, obwohl sie wissen, dass sie ihn nicht kontrollieren können." Sie seien "keine Menschen, die den Mann, für den sie arbeiten, bewundern. Seine Mitarbeiter sehen ihren Job mehr oder weniger darin, das Land vor ihm zu beschützen", sagt Wolff.

In seinem Bestseller Fire and Fury spricht Wolff dem amtierenden US-Präsidenten die geistigen Fähigkeiten zur Führung des Landes ab. Angesprochen auf die mentalen Probleme, die er bei Trump beobachtete, erklärt Wolff: "Wenn Sie mit einem Menschen sprechen, der sich immer und immer wieder wiederholt, dann ist das meiner Meinung nach alarmierend." Auf die Frage, ob er glaube, der US-Präsident leide an Demenz, antwortet Wolff: "Das kann ich nicht sagen, ich bin kein Arzt."

Ursprünglich wollte Wolff eine Erfolgsgeschichte über den US-Präsidenten schreiben: "Ich war absolut bereit, ein anderes Buch zu schreiben, eines, in dem Trump ein erfolgreicher Präsident ist. In gewisser Hinsicht hätte mir das sogar mehr Spaß gemacht, denn es wäre das Überraschendere gewesen. Aber dafür habe ich keinerlei Anzeichen gefunden", sagt Wolff im Interview mit der ZEIT.

Seine Recherchemethode beschreibt Wolff als eher passiven Vorgang: "Wenn ich ganz ehrlich bin, ich stellte nicht einmal Fragen. Ich saß da auf der Couch im Eingangsbereich des West Wing, wartete auf meinen Termin, beobachtete und hörte zu. Ich war wie ein schwarzes Loch, ich zog es einfach alles in mich hinein."

Im Gespräch kritisiert Wolff auch die Versuche amerikanischer Journalisten, sich Trump und seiner Politik zu nähern: "Es ist meiner Meinung nach ein Fehler, Trump verstehen zu wollen, indem man darüber berichtet, wie er die Gesundheitsreform angeht. Das ist nicht die Geschichte. Die Washingtoner Journalisten haben von Anfang an nicht gewusst, wie sie über Donald Trump berichten sollen."

Mit der Wirkung seines Buches, das in den USA zahlreiche Debatten ausgelöst hat und gestern zum Abgang des ehemaligen engsten Trump-Beraters Stephen Bannon von der Website Breitbart News führte, habe Wolff nicht gerechnet: "Ich bin schon von dem, was bislang passiert ist, völlig überrascht. Es ist immerhin nur ein Buch", so Wolff.

In dem Interview beschreibt Wolff auch, wie es ihm gelang, das Vertrauen des Präsidenten zu gewinnen und viele Wochen weitgehend unbehelligt im Weißen Haus zu recherchieren. Er erläutert, welche Rolle Rupert Murdoch beinahe gespielt hätte und wie er auf die Kritik der New York Times an seinem Buch reagiert.

Das vollständige Interview (für Abonnenten)