Großbritannien wird wirtschaftlich unter dem Brexit leiden – egal, wie dieser im Detail verlaufen wird. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens der britischen Regierung, aus dem mehrere Medien zitieren. Zuerst hatte BuzzFeed das Papier eingesehen.

Demnach würde das Königreich innerhalb der EU in jedem Fall wirtschaftlich besser dastehen als außerhalb. Kein Brexit-Szenario brächte eine wirtschaftliche Verbesserung.

Im Falle eines Freihandelsvertrags zwischen Großbritannien und der EU, wie er von vielen Brexit-Befürwortern angestrebt wird, würde das Wirtschaftswachstum in den nächsten 15 Jahren um fünf Prozent sinken. In der radikalsten Form des Austritts, einem "no deal"-Szenario, würde das Wachstum sogar um acht Prozent zurückgehen. Das sanfteste Szenario, bei dem Großbritannien zwar die EU verlässt, aber Mitglied im Binnenmarkt bleibt, wäre das Wachstum immerhin um zwei Prozent beeinträchtigt.

Dazu könnten laut dem Gutachten immer noch kurzzeitige Verwerfungen auf den Märkten bei einem Brexit kommen. Das Gutachten wurde laut BuzzFeed im Januar 2018 von mehreren Ministerien vorbereitet im Auftrag des Brexit-Ministeriums. Es soll noch in dieser Woche den zuständigen Ministern vorgestellt werden.

Beinahe jeder untersuchter Wirtschaftszweig würde laut dem Gutachten leiden: die Chemiebranche, Handwerk, Klamottenproduktion und die Lebensmittelbranche. Leichte erwartete Zuwächse im Handel mit den Vereinigten Staaten könnten diesen Rückgang nicht auffangen. London droht demnach, seinen Status als Finanzmetropole zu verlieren.

Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich auf die Voraussetzungen für eine von Großbritannien gewünschte Übergangsphase nach dem Brexit verständigt. Die Übergangsphase soll am 31. Dezember 2020 enden und damit weniger als zwei Jahre nach dem Brexit im März 2019 andauern. In dieser Zeit soll sich für Bürger und Unternehmen wenig ändern, auch wenn das Land offiziell nicht mehr Mitglied der EU sein wird. Die britische Regierung hatte einen Zeitraum von etwa zwei Jahren vorgeschlagen. Das soll auch Zeit geben, die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel vertraglich zu regeln und der britischen Wirtschaft das Verlassen des Binnenmarktes erleichtern. 

Innenpolitisch steht Premierministerin Theresa May unter Druck. In ihrem Kabinett sitzen einige Brexit-Hardliner, die die Regierungschefin immer wieder drängen, keine Zugeständnisse an die EU zu machen.