Großbritannien und Frankreich wollen die Sicherheit an der gemeinsamen Grenze verbessern. Der französische Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May unterzeichneten dazu ein neues Abkommen. Großbritannien will Frankreich 44,5 Millionen Pfund, etwa 50 Millionen Euro, für neue Sicherheitsmaßnahmen am Ärmelkanal zahlen. Das Geld werde in Zäune, Überwachungskameras und Erkennungstechnologie investiert, sagte May. Macron war zum Antrittsbesuch nach Großbritannien gereist.

Vor allem in der nordfranzösischen Stadt Calais will Frankreich zukünftig in besseren Grenzschutz, unter anderem Videoüberwachung, investieren. "Was unsere Leute in Calais ertragen müssen, ist nicht zufriedenstellend", sagte Macron.

Der neue Sandhurst-Vertrag ist insbesondere für Großbritannien wichtig. Denn nach dem Brexit wird die Grenze zur EU im Ärmelkanal verlaufen. Als bilaterales Abkommen sei der Vertrag unabhängig von Brexit-Vereinbarungen mit der EU, sagte Macron. Das neue Abkommen soll den 2003 geschlossenen Vertrag von Le Touquet ergänzen, der die britischen Grenzkontrollen im Fährhafen Calais regelt.

Im Oktober 2016 haben Behörden in Calais ein riesiges, slumartiges Flüchtlingslager geräumt, das europaweit als "Dschungel von Calais" bekannt geworden war. Zeitweise lebten dort bis zu 8.000 Menschen auf engstem Raum. Seit der Räumung ist die Zahl der versuchten illegalen Grenzübertritte in der Region um mehr als die Hälfte zurückgegangen: von etwa 80.000 im Jahr 2015 auf 30.000 im vergangenen Jahr. Trotzdem leben, nach Angaben von Hilfsorganisationen, noch etwa 350 bis 600 Migranten unter prekären Bedingungen in und um Calais.

Vor seinem Antrittsbesuch in Großbritannien hat Macron Calais besucht und sich für schärfere Grenzkontrollen ausgesprochen. Calais sei keine "Geheimtür" nach Großbritannien, sondern eine "Sackgasse" für die Flüchtlinge, sagte Macron in einer Rede vor Sicherheitskräften und sprach sich für eine bessere Sicherung des Hafens und des Tunnels unter dem Ärmelkanal aus.

Auch bei Verteidigung, Forschung und Terrorbekämpfung wollen Großbritannien und Frankreich in Zukunft enger zusammenarbeiten. Dafür soll ein gemeinsamer Rat für Verteidigungsfragen geschaffen werden. Großbritannien will Frankreich auch im Kampf gegen Terrorismus in Afrika stärker unterstützen. Beide Länder wollen gemeinsam zu künstlicher Intelligenz, Raumfahrt und Klimawandel forschen. Macron äußerte sich auch zum geplanten EU-Austritt Großbritanniens: Er bedaure, aber "respektiere die Entscheidung".