Bei den landesweiten Protesten im Iran sind nach Angaben des staatlichen Fernsehens Irib in der Nacht zum Dienstag weitere neun Menschen getötet worden. Zunächst war unklar, ob es sich um Demonstranten, Polizisten oder Revolutionswächter handelte. Bereits am Wochenende hatte es Tote gegeben, insgesamt sind es nun mindestens 20.

Zunächst hieß es, auch ein Polizist sei von Demonstranten erschossen worden. Laut Staatsfernsehen handelt es sich aber um ein Mitglied der Revolutionswächter. Die Revolutionswächter sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden, einer paramilitärischen Organisation zum Schutz des Systems.

Die Demonstrationen richteten sich zunächst gegen die Wirtschafts- und Außenpolitik der Regierung, wurden aber zunehmend systemkritisch. Es sind die größten Unruhen im Iran seit 2009. Die Demonstranten haben für die kommenden Tage zu weiteren Protesten aufgerufen.

Attacken auf Polizeistationen

Die Demonstranten griffen laut Medienberichten auch Polizeiwachen an. Iranische Nachrichtenagenturen meldeten, in Nadschafabad hätten Demonstranten eine Polizeistation in Brand gesetzt. Auch ein Posten der Verkehrspolizei in der Stadt Kermanschah sei angezündet worden. Auf sozialen Medien verbreiten sich Videos, die schwere Zusammenstöße zwischen den Sicherheitskräften und Demonstranten in Kahderidschan zeigen sollen.   

Dem Staatsfernsehen zufolge wurden in mehreren Städten staatliche Einrichtungen von Bewaffneten attackiert. Angriffe auf Polizeiwachen sowie Militärkasernen seien vereitelt worden. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

In der Hauptstadt Teheran gab es laut Medienberichten nach einer erneuten Demonstration mehrere Festnahmen. Mehrere Anführer seien in Polizeigewahrsam. Zuvor waren laut Onlinemedien seit Einbruch der Dunkelheit kleinere Gruppen von Demonstranten in der Innenstadt unterwegs und haben regierungsfeindliche Parolen skandiert.

Kritik aus dem Ausland

Angesichts der Proteste im Iran haben westliche Staaten die Führung in Teheran zur Wahrung der Demonstrationsfreiheit und zum Dialog aufgerufen. Das Recht auf friedliche Demonstrationen und die Meinungsfreiheit müsse garantiert werden, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Der britische Außenminister Boris Johnson warb für eine Debatte über die Anliegen der Demonstranten. Diese seien legitim und wichtig, sagte Johnson. Die iranischen Behörden müssten eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber erlauben. Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) die Führung in Teheran aufgefordert, die Versammlungsfreiheit zu respektieren.

Das russische Außenministerium warnte dagegen vor jeglicher Einmischung des Auslandes. Dies würde die Situation im Iran destabilisieren. Präsident Hassan Ruhani sagte, sein Land akzeptiere Demonstrationen. Die Sicherheitskräfte würden jedoch keine Gewalt dulden. Das iranische Volk werde auf Unruhestifter und Rechtsbrecher angemessen reagieren.