Der abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont sieht kein Problem darin, dass er in Belgien festsitzt: Im Falle seiner Wiederwahl will er von Brüssel aus regieren. Moderne Technik mache das möglich, sagte er dem katalanischen Radio. Puigdemont war in die belgischen Hauptstadt geflohen, weil ihm in Spanien eine Festnahme wegen Rebellion und anderer Vorwürfe droht.

Als "Häftling" könne er das Amt jedenfalls nicht weiter ausüben, sagte Puigdemont. "Im Gefängnis könnte ich nicht mit Leuten sprechen, schreiben oder Besucher empfangen." Für seine angestrebte Wiederwahl komme daher als "einzige Möglichkeit" in Betracht, dies "in Freiheit und Sicherheit zu tun", sagte Puigdemont.

Das katalanische Parlament hatte in seiner konstituierenden Sitzung am Mittwoch den Unabhängigkeitsbefürworter Roger Torrent zum Parlamentspräsidenten gewählt. Das ebenfalls neu gewählte Parlamentspräsidium muss nun klären, ob Puigdemont per Videoschaltung in sein Amt eingeführt werden kann.

Nach dem Unabhängigkeitsvotum der Katalanen hatte die spanische Zentralregierung Puigdemont abgesetzt und das Regionalparlament aufgelöst. Die Abgeordneten hatten Katalonien für unabhängig von Spanien erklärt.

Knappe Mehrheit der Separatisten

Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy hat wiederholt gesagt, dass er die Wiedereinführung Puigdemonts in sein Amt von Brüssel aus auf keinen Fall dulden werde. Die Regierung in Madrid will in diesem Fall das Verfassungsgericht anrufen, das Puigdemonts Amtseinführung aller Wahrscheinlichkeit nach blockieren wird. In diesem Fall wird die spanische Zentralregierung weiter die direkte Kontrolle über Katalonien ausüben.

Bei der Neuwahl des Parlaments im Dezember hatten die separatistischen Parteien wieder eine knappe Mehrheit erzielt. Allerdings sitzen einige ihrer Abgeordneten im Gefängnis oder haben sich wie Puigdemont nach Belgien abgesetzt. Spanien sucht ihn per Haftbefehl, ein zudem erlassener Europäischer Haftbefehl wurde wieder zurückgenommen.

Das Präsidium des neuen Regionalparlaments muss nun bis Ende Januar entscheiden, ob sich Puigdemont bei der Wahl des Regierungschefs durch einen Bevollmächtigten vertreten lassen kann. Die Zentralregierung in Madrid hält dies für rechtlich unzulässig und hat angekündigt, eine solche Wahl vor Gericht anzufechten.

Während der Unabhängigkeitsabstimmung gab es zahlreiche Zusammenstöße mit der Polizei. Es hatten sich nur etwa 40 Prozent der Stimmberechtigten beteiligt. Die stimmten dann allerdings mit großer Mehrheit für eine Ablösung von Spanien.