Allen Hindernissen zum Trotz will der abgesetzte katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont eine neue Regierung von seinem Exil in Belgien aus bilden. "Trotz der Drohungen aus Madrid werden wir nicht vor dem Autoritarismus kapitulieren", sagte er während einer Diskussionsveranstaltung an der Universität von Kopenhagen und kündigte an: "Wir werden bald eine neue Regierung bilden." Es sei Zeit, die "Unterdrückung zu beenden und eine politische Lösung für Katalonien zu finden".

Stunden zuvor hatte der katalanische Parlamentspräsident Roger Torrent den Separatisten erneut zum Kandidaten für die Regionalpräsidentschaft Kataloniens ernannt. Puigdemonts Kandidatur sei "vollkommen legitim", sagte Torrent in Barcelona, der diesen Schritt im Widerspruch zur Zentralregierung in Madrid vollzog. Demnach ist Puigdemont der einzige Kandidat – ein Kandidat, der sich derzeit nicht im Land befindet.

Nach der Unabhängigkeitserklärung des katalanischen Parlaments Ende Oktober hatte Spanien Katalonien unter Zwangsverwaltung gestellt und die von Puigdemont geführte Regionalregierung ihres Amtes enthoben. Gegen Puigdemont selbst ermittelt die spanische Justiz, die ihm Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel vorwirft. Daraufhin reiste der 55-Jährige zusammen mit vier seiner Minister nach Belgien. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht ihm die sofortige Festnahme. Ein zunächst ausgestellter europäischer Haftbefehl war später wieder zurückgenommen worden.

Wegen Puigdemonts Reise nach Dänemark, wo auch ein Besuch des dänischen Parlaments geplant war, beantragte die Staatsanwaltschaft in Madrid die Reaktivierung des europäischen Haftbefehls gegen den Katalanen. Der Richter des Obersten Gerichtshofs in Spanien, Pablo Llarena, stellte jedoch keinen neuen Haftbefehl aus. Zur Begründung erklärte er, mit seiner Reise habe Puigdemont "eine Festnahme im Ausland provozieren" wollen. Dies sei Teil einer Strategie, womit die Separatisten ihre Argumentation stärken wollen, um wieder die Macht in der Region zu übernehmen. 

Das katalanische Parlament hat nun Zeit, bis zum 31. Januar über den vorgeschlagenen Kandidaten zu debattieren und anschließend abzustimmen. Der Bewerber muss dabei eigentlich persönlich sein Regierungsprogramm präsentieren – Puigdemont wollte dies per Videoschalte tun. Dies hatte er nach dem erneuten Sieg der separatistischen Parteien bei einer Neuwahl Mitte Dezember angekündigt. Auch dagegen will die Zentralregierung mit rechtlichen Mitteln vorgehen.