Bei einem Doppelanschlag in der libyschen Stadt Bengasi sind insgesamt mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 30 Menschen verletzt worden. Bei dem Anschlag explodierten zwei Autobomben vor einer Moschee im Zentrum der Hafenstadt – die erste, als Menschen gerade die Moschee nach dem Abendgebet verließen, die zweite etwa 15 Minuten später, als Anwohner und Einsatzkräfte die Verwundeten versorgten.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Doppelanschlag in der ostlibyschen Stadt und sagten, ein Angriff auf Zivilisten verstoße gegen das internationale Menschenrecht und sei ein Kriegsverbrechen. Bislang hat noch keine Extremistengruppe die Tat für sich reklamiert. 

Bengasi wurde in der Vergangenheit immer wieder von Anschlägen getroffen. Dort kommt es auch regelmäßig zu Kämpfen zwischen Anhängern des Chefs der Nationalen Libyschen Armee, Chalifa Haftar, und islamistischen Milizionären.

Libyen gilt seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 als sogenannter failed state, in dem jede staatliche Ordnung zusammengebrochen ist. Insgesamt drei Regierungen und unzählige Milizen kämpfen im ganzen Land um die Macht. Die Autorität der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit wird von einer Gegenregierung infrage gestellt, die mithilfe der selbsternannten Nationalen Libyschen Armee (ANL) des umstrittenen abtrünnigen Generals Haftar im Osten von Libyen herrscht. 

Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" konnte temporär in Libyen Fuß fassen. Aus den größeren Städten wurde der IS jedoch wieder vertrieben.

Im Krisenstaat Libyen sitzen derzeit bis zu eine Million Flüchtlinge fest. Deutschland hat im vergangenen Jahr 120 Millionen Euro zur Verbesserung der Lage der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Während des EU-Afrika-Gipfels Ende vergangenen Jahres wurde unter anderem beschlossen, die Flüchtlingslager zu evakuieren und die Menschen in die Nachbarländer oder nach Europa zu bringen. Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge auf dem Weg von Afrika nach Europa. 2017 erreichten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als 137.000 Menschen über Nordafrika Italien und Spanien.