Michael Wolff, der Autor des Enthüllungsbuches Fire and Fury über das Weiße Haus unter Donald Trump, hat sein Werk im US-Fernsehen entschieden verteidigt. In einem Interview des Senders NBC beharrte er darauf, dass jeder in der Umgebung des US-Präsidenten, mit dem er gesprochen habe, Trump für unfähig halte, sein Staatsamt auszuüben. Sie hielten ihn für einen "Schwachkopf, einen Idioten". Und alle sagten, "er ist wie ein Kind", so der Journalist. "Er braucht immer sofort Bestätigung. Es muss sich alles um ihn drehen."

Zu den geistigen Kapazitäten des Präsidenten sagte Wolff, ihm sei von allen Seiten geschildert worden, dass sich Trump ständig wiederhole: Anfangs habe er alle 25 oder 30 Minuten dieselben drei Geschichten erzählt. Nun wiederhole er diese Geschichten alle zehn Minuten, so der Journalist. 

Trump hatte in den vergangenen Tagen versucht, Wolff zu diskreditieren und die Veröffentlichung des Buchs zu verhindern. Darauf konterte Wolff im Interview, er arbeite wie jeder andere Journalist: "Ich habe Aufnahmen, ich habe Notizen", so Wolff. Er könne sein Buch daher mit gutem Gewissen vertreten. Trump hingegen sei ein Mann, "der weniger Glaubwürdigkeit besitzt als vielleicht jeder, der jemals auf Erden gewandelt ist", so der Journalist weiter.

Im weiteren Verlauf des Interviews wurde Wolff gefragt, ob es richtig sei, dass Trump vor Kurzem enge Freunde nicht mehr erkannt habe. Der Journalist sagte daraufhin, er wolle Trumps früheren Chefstrategen Steve Bannon, auf den er sich in seinem Buch unter anderen stützt, zitieren: "Er [Trump, Anm. d. Red.] hat den Verstand verloren."

Wolff will drei Stunden mit Trump gesprochen haben

Wolff hat nach eigenen Angaben mehr als 200 Interviews geführt. Dabei blieb er auch bei seiner Darstellung, dass er im Zuge seiner Recherchen persönlich mit dem Präsidenten gesprochen habe. Dies sei nach dessen Amtseinführung im Januar 2017 gewesen. Das Gespräch habe damals ungefähr drei Stunden gedauert. Ob Trump klar gewesen sei, dass er interviewt wurde, wisse er zwar nicht. "Aber es war mit Sicherheit nicht vertraulich", sagte Wolff. Trump indes hatte in den vergangenen Tagen mehrfach vehement bestritten, mit Wolff gesprochen zu haben.

Mit seiner Kritik an Wolff ist Trump nicht allein: Der Journalist hat einen zweifelhaften Ruf in Washington. So schreibt etwa die Washington Post über ihn, Wolff tendiere dazu, Auseinandersetzungen zu schüren und die Fakten so weit zu interpretieren, wie es eben geht, und manchmal weiter, als sie es zulassen. Die britische Journalistin Bella Mackie nannte Wolffs Buch auf Twitter "sehr unterhaltsam", fügte aber hinzu, "wenn man MW kennt, wird man Freude daran haben, aber es vielleicht nicht zum Glaubensgrundsatz erheben".

Bannon kritisiert Naivität des Trump-Teams

Wolff bedankte sich am Donnerstag persönlich beim Präsidenten für die Aufmerksamkeit, die sein Buch mittlerweile genieße. So kommt Fire und Fury (zu deutsch: Feuer und Zorn) schon am heutigen Freitag in die Buchläden, vier Tage früher als ursprünglich geplant. Der Verlag Holt & Co begründete das mit der großen Nachfrage. Tatsächlich war das Buch nach Verkaufsbeginn in vielen Buchläden Washingtons ausverkauft.

Erste Auszüge aus dem Buch hatten Washington in den vergangenen Tagen in helle Aufregung versetzt. So wurde Mitte der Woche bekannt, dass Trumps Ex-Berater Bannon dem Sohn Trumps in dem Buch Verrat vorwirft. Ein Treffen mit einer Gruppe Russen im Wahlkampf 2016 sei "verräterisch" und "unpatriotisch" gewesen, so Bannon. Er kritisierte das naive Vorgehen der Trump-Delegation. Bannon selbst war bis August 2017 Teil des Teams. Er hatte sich damals im Guten von Trump getrennt und war zum ultrarechten Onlineportal Breitbart zurückgekehrt.

Gegen Trump und sein Team ermitteln in den USA mehrere Ausschüsse und ein Sonderermittler. Sie untersuchen, inwieweit Russland Einfluss auf den Wahlkampf zwischen Trump und seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton nahm. Im Zuge der Ermittlungen gab Trumps ältester Sohn, Donald Trump Junior, im Juli 2017 zu, sich im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Von ihr hatte er sich heikle Informationen über Clinton versprochen. Mit im Raum waren damals auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie der damalige Wahlkampfchef Paul Manafort. Trump Junior hat auf das Angebot, sensible Informationen über Clinton zu erhalten, geantwortet: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es."