Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat sich gegen eine Rückkehr der Rohingya nach Myanmar ausgesprochen. Die muslimische Minderheit sei weiterhin Angriffen ausgesetzt, sagte Vizedirektor Justin Forsyth beim Besuch eines Flüchtlingslagers in Bangladesch. Obwohl viele Rohingya zurückkehren wollten, hätten sie große Angst um ihre Sicherheit. "Ich habe mit einer jungen Frau gesprochen, die mit ihrer Tante in Rakhine in Myanmar telefoniert hat. Und selbst heute greifen sie die Dörfer an", sagte Forsyth.

Bangladesch hatte im Januar angekündigt, die etwa 650.000 geflüchteten Rohingya binnen zwei Jahren nach Myanmar abschieben zu wollen. Beide Länder hätten sich im November auf diesen Zeitraum verständigt. Die Abschiebungen hätten bereits beginnen sollen, wurden aber wegen administrativer Probleme auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Nach Angaben der Regierung in Bangladesch hat bisher noch kein Rohingya die Grenze in Richtung Myanmar überquert.  

Die muslimischen Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt. Ende August war der Konflikt eskaliert, als Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und zahlreiche Einsatzkräfte töteten. Das Militär reagierte mit Gewalt. Seither wurden viele Rohingya getötet, mehr als 655.000 flüchteten ins verarmte Nachbarland Bangladesch.

Laut einer Erhebung von Ärzte ohne Grenzen sollen alleine zwischen dem 25. August und 24. September 2016 mindestens 6.700 Rohingya getötet worden sein. Darunter seien mindestens 730 Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren. Die Vereinten Nationen sprechen von Völkermord. UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sprach bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf von "weit verbreiteten, systematischen und entsetzlich brutalen" Attacken gegen die muslimische Minderheit Myanmars. Die UN sehen "Elemente des Genozids".

Unter diplomatischem Druck hatte Myanmar eingewilligt, dass die ins Nachbarland geflohenen Rohingya zurückkehren dürfen. Die Regierung in Myanmar vertritt die Auffassung, dass die Gewalt von militanten Rohingya ausgehe.