US-Präsident Donald Trump hat die Hilfszahlungen an die Palästinenser infrage gestellt. Auf Twitter schrieb er, die USA würden den Palästinensern "Hunderte Millionen von Dollar" zahlen und dafür "weder Anerkennung noch Respekt" erhalten. Die Palästinenser wollten nicht einmal über einen Friedensvertrag mit Israel verhandeln. "Aber wenn die Palästinenser nicht mehr bereit sind, über Frieden zu sprechen, warum sollten wir in der Zukunft irgendwelche dieser massiven Zahlungen an sie leisten?"

Führende Palästinenser wiesen die Tweets als Erpressung zurück. Die Politikerin Hanan Aschrawi sagte, Trump habe im Alleingang die Grundlagen des Friedens zerstört, als er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt habe. "Trump hat unsere Suche nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sabotiert", sagte sie. Die Palästinenser würden sich jetzt nicht noch von ihm erpressen lassen. Aschrawi hatte bei den Nahost-Friedensverhandlungen mit Israel 1991 die palästinensische Delegation geleitet.

Ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte: "Jerusalem und seine heiligen Stätten stehen nicht zum Verkauf, nicht für Gold und nicht für Silber." Die radikalislamische Hamas sprach von einer "billigen, politischen Erpressung".

USA zahlen jährlich 306 Millionen Euro an Palästinenserhilfswerk

Ob Trumps Tweets tatsächlich zu einem Stopp der Hilfszahlungen führen, blieb zunächst unklar. Das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen UNRWA teilte mit, die US-Regierung habe UNRWA nicht über irgendwelche Änderungen bei den US-Hilfszahlungen informiert. Die USA seien der größte Einzelspender. Nach einer UNRWA-Übersicht für das Jahr 2016 zahlten die USA damals 306 Millionen Euro bei einem Spendenaufkommen von insgesamt einer Milliarde Euro.

UNRWA unterstützt nach eigenen Angaben rund fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge, unter anderem in Jordanien, im Libanon und in den Palästinensergebieten. Während des ersten Nahostkriegs von 1948 wurden mehr als 700.000 Palästinenser vertrieben oder flohen. UNRWA hilft auch deren Nachkommen. 

Außerdem unterstützen die USA nach einem Bericht des US-Kongresses von 2016 zahlreiche Projekte in den Palästinensergebieten sowie die Sicherheitskräfte dort. So waren für 2017 umgerechnet 301 Millionen Euro eingeplant.

Donald Trump hatte im Januar im Namen der USA Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Seither gibt es auf palästinensischer Seite zum Teil gewaltsame Proteste gegen die Entscheidung, woraufhin Israel mit tödlichen Militärschlägen antwortete. Im Zuge der Krise zogen die Palästinenser ihren Gesandten in den USA vorübergehend ab und erklärten, sie würden die USA nicht mehr als Vermittler bei etwaigen Friedensverhandlungen mit Israel akzeptieren. Die UN-Vollversammlung erklärte Trumps Entscheidung in einer Resolution für "null und nichtig".