Das venezolanische Militär hat in einer Spezialoperation eine Gruppe Aufständischer attackiert, die zuvor zur Rebellion gegen Präsident Nicolás Maduro aufgerufen haben soll. Nach Angaben der Regierung wurden mehrere Menschen getötet und verletzt, darunter zwei Angehörige der Sicherheitskräfte. Demnach umstellten Hunderte Polizisten und Soldaten die Wohnsiedlung El Junquito in den Bergen bei Caracas, wo sich die Gruppe offensichtlich verschanzt hatte. Sie lieferten sich heftige Feuergefechte mit den Aufständischen.

Aus Hubschrauber Ministerium beschossen

Als Anführer der Gruppe gilt Óscar Pérez, der vor seinem Widerstand einer Spezialeinheit der Polizei angehört hatte. Die Regierung bezeichnet ihn als "fanatischen, extremistischen Terroristen" und macht seit Monaten Jagd auf ihn. Der 36-Jährige selbst sieht sich als Anführer einer Bewegung zur Befreiung Venezuelas vom Sozialismus. "Wir sind auf der Straße, um das Volk zu verteidigen", sagte er in einer Botschaft. "Es ist an der Zeit, dass diese Regierung der Drogendealer stürzt." Seine Gruppe sei eine "Koalition von Militärs, Polizisten und Zivilisten".

Bereits im vergangenen Juni sorgte Pérez mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen. Damals beschoss er mit einem gekaperten Hubschrauber das Innenministerium und feuerte Granaten auf den obersten Gerichtshof ab. Verletzte oder größere Schäden gab es nicht. Präsident Maduro sprach im Anschluss von einem "Putschversuch und Terrorakt"

"Sie wollen uns ermorden"

Ob auch Pérez bei der Militäroperation getötet oder verletzt wurde, ist bislang unklar. Das Innenministerium teilte dazu nichts Konkretes mit. In einem Kommuniqué hieß es dazu lediglich: "Die Mitglieder dieser Terrorzelle, die bewaffneten Widerstand geleistet haben, wurden getötet. Fünf Verbrecher wurden gefangen genommen und inhaftiert."

Pérez selbst hatte sich während der stundenlangen Gefechte immer wieder über die sozialen Medien zu Wort gemeldet. "Sie wollen nicht, dass wir uns ergeben, sie wollen uns ermorden", erklärte er in einer Videobotschaft. Er wolle sich der Polizei stellen, sagte er und rief die Bevölkerung auf, weiterhin gegen die sozialistische Regierung zu kämpfen.

Kryptowährung soll Hyperinflation stoppen

Venezuela befindet sich seit Monaten in einer schweren wirtschaftlichen Krise und wird von politischen Unruhen erschüttert. Kritiker des sozialistischen Präsidenten Maduro werfen ihm vor, das südamerikanische Land zu einer Diktatur umbauen zu wollen. Auslöser der Proteste war vor allem die Entmachtung des Parlaments durch Maduro, in dem die Opposition eine Mehrheit hatte.

Maduro selbst macht einen "Wirtschaftskrieg" des Auslands und die niedrigeren Ölpreise für die Misere verantwortlich. Am Wochenende kündigte er an, die Hyperinflation – 2017 lag die Geldentwertung bei mehr als 2.600 Prozent – mit einer Kryptowährung, dem Petro, zu beenden. Experten sehen das Vorhaben, bei dem das neue Zahlungsmittel mit Ölreserven abgesichert werden soll, skeptisch.

Seit Beginn der Wirtschafts- und Regierungskrise gab es massive Proteste, bei denen allein im Frühjahr und Sommer 2017 nach Angaben von Hilfsorganisationen 125 Menschen getötet und mehr als 200 Menschen festgenommen worden waren.