Donald Trump ist schlecht fürs Geschäft. Acht Jahre Barack Obama, das war eine gute Zeit für Doug Depweg. Alle Waffenliebhaber hatten Angst, ihre Rechte zu verlieren. Also kauften sie bei Depweg ein, sozusagen auf Vorrat. Er besitzt das einzige Waffengeschäft in Celina, einer Kleinstadt im Nirgendwo von Ohios Westen. Jetzt, wo wieder ein Republikaner im Weißen Haus sitzt, muss keiner seiner Kunden fürchten, nicht mehr leicht an eine Pistole oder ein Sturmgewehr zu kommen.

Schon im Wahlkampf hatte Trump die Nähe zur National Rifle Association (NRA) gesucht, der mächtigen Waffenlobby in den USA. Und selbst als sich Stephan Paddock im Oktober 2017 in Las Vegas mit einem ganzen Arsenal an Waffen in einem Hotelzimmer verschanzte, 58 Besucher eines Musikfestivals tötete und mehr als 500 Menschen verletzte, hörte man von Trump kein kritisches Wort über die harmlosen Waffengesetze des Landes. Warum auch? "Das war ein verrückter Mann, was will man da machen", sagt Depweg. 

Er lacht. Denn natürlich ist Trump nicht wirklich schlecht fürs Geschäft, auch wenn Depweg sich über seinen eigenen Witz freut. Ein Republikaner im Weißen Haus bedeutet für alle, die im Waffengeschäft tätig sind, politisch gesehen vier sorgenfreie Jahre. Auch wenn die Hamsterkäufe vielleicht ausbleiben.

Interessenten für Depwegs Waffen gibt es in Celina ohnehin genug. Die Region ist konservativ, die Leute mögen Waffen. 80,7 Prozent haben in Mercer County, dem Landkreis in dem Celina liegt, vor einem Jahr Donald Trump gewählt. Auch Depweg.

Der Bürostuhl ist abgewetzt, das Gewehr glänzt makellos

Der Waffenhändler Doug Depweg würde wieder für Donald Trump stimmen. © Rieke Havertz für ZEIT ONLINE

Der Waffenhändler sitzt auf einem abgewetzten Bürostuhl, auch die Computer und die Holzvertäfelung an der Wand haben ihre besten Tage längst hinter sich. Das Geld steckt in den Waffen, nicht in der Einrichtung. Aktuell sind es 581, der Wert der Ware liegt bei etwa 213.000 Dollar. Das neue Sturmgewehr in mattem Silber, das neben einer antiken Jagdwaffe in einer Halterung an der Wand lehnt, ist ohne Makel und Kratzer. Depweg hat es für einen Kunden besorgt, er wird es noch mit ein paar Extras ausstatten, bevor der Kunde es abholt. Das Jagdgewehr ist mehr als 4.500 Dollar wert, sagt Depweg. Es kommt erst einmal in seinen Tresor zu Hause.

Der 53-Jährige ist Mitglied der NRA, für ihn gab es bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr keine Alternative. Schon wenige Tage nach Trumps Wahl hatte Depweg bei einem ersten Treffen gesagt, er wolle Trump eine faire Chance geben. Depweg hat sich seitdem so wenig verändert wie sein Büro. Das blaue, kurzärmelige Poloshirt, das er trotz der Januarkälte trägt, spannt etwas mehr über dem Bauch, es rutscht ab und zu hoch, wenn er sich in seinem Bürostuhl zurücklehnt und über Wirtschaft und Steuern spricht. Seine Lieblingsthemen neben den Waffen. Im Hintergrund ist in kurzen Abständen der dumpfe Knall von Schüssen zu hören. Die Schießanlage ist direkt neben dem Büro, Depweg nimmt das stete Knallen schon lange nicht mehr wahr. 

Die Steuerreform lässt hoffen

Der Laden ist eigentlich nur ein Hobby, mit seinem Bruder betreibt Depweg eine Farm. Auf 240 Hektar, die Platz böten für etwa 338 Fußballfelder, bauen sie hauptsächlich Mais und Soja an. Gerade ist wenig zu tun, deswegen ist Depweg jeden Tag im Waffenladen. Hier hat er die Buchhaltung für das vergangene Jahr schon erledigt und hofft, dass er von Trumps Steuerreform profitiert. "Das ist eine gute Sache", sagt er. Ein Pluspunkt für den Präsidenten. Ob sich die Reform wirklich positiv auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb auswirken wird, weiß er noch nicht. Aber er hofft es. 

Weniger Steuern findet Depweg grundsätzlich gut. Und dafür steht Trump aus seiner Sicht. "Außerdem hat er eine ganze Menge Regulierungen zurückgenommen." Auch das gefällt Depweg. Welche genau das im Detail sind, weiß er allerdings nicht. Irgendwas mit Energie, gut für die Industrie, schlecht für die Umwelt. "Ihr in Europa seid sicher nicht glücklich, dass wir aus dem Klimaabkommen ausgetreten sind", sagt Depweg. Aber das sei ja eh nicht bindend gewesen. Und überhaupt, warum müssten sie als Amerikaner eigentlich immer die Hauptlast tragen? Das sei in der Nato genauso. Trump als Präsident würde die Dinge konsequent beim Namen nennen, anders als sein Vorgänger Obama.