Bei der Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zu den Protesten im Iran sind die USA und Russland offen aneinandergeraten. Während die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, eine eindringliche Warnung an die Führung in Teheran richtete, kritisierte der russische Botschafter Wassili Nebensia die Sitzung scharf und warf der US-Regierung vor, die "Energie des Sicherheitsrates zu vergeuden". Auch andere im Sicherheitsrat vertretene Länder äußerten sich skeptisch, ob die aktuelle Lage im Iran eine Zusammenkunft des Gremiums rechtfertigte.

Vor seiner öffentlichen Sitzung kam das wichtigste UN-Gremium zunächst auf Antrag Russlands hinter verschlossenen Türen zusammen. Der russische Vertreter versuchte letztlich aber nicht, die öffentliche Sitzung des Sicherheitsrats zu verhindern. Stattdessen sagte er später, die Sitzung sei ein Versuch, die Lage zur Untergrabung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran auszunutzen. Er sprach von "erfundenen Vorwänden" für die Dringlichkeitssitzung und plädierte dafür, dass der Iran "seine Probleme selbst handhaben" solle. 

Weiter sagte Nebensia an Haley gerichtet, wenn sich der Sicherheitsrat mit den Demonstrationen im Iran befasse, hätte er sich auch mit den Unruhen Anfang 2014 im US-Bundesstaat Missouri wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Jugendlichen oder dem Vorgehen der US-Polizei gegen die Occupy-Wall-Street-Bewegung befassen müssen.

Unterstützung erhielt der russische Botschafter mit seiner Kritik von China und Frankreich: So sagte der chinesische UN-Vertreter Wu Haitao, die Beratungen im Sicherheitsrat würden nicht dabei helfen, die internen Probleme des Iran zu lösen. Der französische UN-Botschafter François Delattre warnte davor, die Lage für eigene Interessen zu nutzen. Wie besorgniserregend die Ereignisse der vergangenen Tage auch sein mögen, sie stellten keine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit dar.

Trump stellt Hilfe in Aussicht

Über Twitter erklärt Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif später, der unverhohlene US-Versuch, den Sicherheitsrat zu kapern, sei zurückgeschlagen worden. Die Sondersitzung des Gremiums sei ein weiterer Patzer in der Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Der Iran bekräftigte zudem, er habe konkrete Beweise dafür, dass die Proteste aus dem Ausland gesteuert würden. Die iranische Führung macht regelmäßig das westliche Ausland und besonders die USA und Israel für Oppositionsbestrebungen verantwortlich.

Die amerikanische UN-Botschafterin Haley bekräftigte dagegen die öffentliche US-Unterstützung für die Protestbewegung im Iran. Sie warnte die Führung in Teheran, die Proteste nicht wie zuletzt 2009 zu unterdrücken. Die USA würden diesmal nicht still zuschauen, sagte Haley.

Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, er habe immensen Respekt vor den Menschen, die versuchten ihre korrupte Regierung zu stoppen. Zu gegebener Zeit würden sie von den USA starke Unterstützung erfahren. Eine direkte Beteiligung an der Organisation der Proteste weisen die USA zurück.

Die Proteste hatten am 28. Dezember in der Stadt Maschhad begonnen und sich dann auf das ganze Land ausgeweitet. Dabei wurden mindestens 22 Menschen getötet. Mehr als 1.000 Menschen wurden festgenommen. Nachdem die Regierung in den vergangenen Tagen immer härter gegen die Demonstranten vorging und Zehntausende eigene Anhänger zu Kundgebungen mobilisierte, zeichnet sich eine Abschwächung der Proteste ab.