Die spanische Zentralregierung will mit allen Mitteln verhindern, dass der katalanische Ex-Regierungschef Carles Puigdemont heimlich ins Land zurückkehrt und sich im Parlament von Barcelona von den Unabhängigkeitsparteien wiederwählen lässt. Die Sicherheitsbehörden arbeiteten zurzeit "sehr intensiv", damit der Separatist "weder im Hubschrauber noch per Schiff oder im Kofferraum versteckt" einreist, sagte Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido am Dienstag in einem Fernsehinterview.

Puigdemont lebt seit einigen Monaten in Brüssel. Die zentralspanische Justiz hat seit Oktober einen Haftbefehl gegen den katalanischen Politiker ausgestellt, der greift, sobald er ins Land zurückkehrt. Ihm wird unter anderem Rebellion vorgeworfen, weil er als Regionalpräsident ein verfassungsrechtlich illegales Unabhängigkeitsreferendum abgehalten und die Abspaltung Kataloniens von Spanien angekündigt hatte. Die konservative Regierung in Madrid hatte die Region um Barcelona daraufhin unter Zwangsverwaltung gestellt und Neuwahlen ausgerufen. Diese gewannen kurz vor Weihnachten allerdings abermals die Unabhängigkeitskämpfer rund um Puigdemont – und das, obwohl er als Spitzenkandidat aus dem Exil angetreten war.

In einer Woche soll gewählt werden

Puigdemont hatte stets angekündigt, er werde nach Spanien zurückkehren, wenn er die Wahlen gewinnt. Schon jetzt überwache die spanische Polizei unter anderem auch kleinere Landstraßen, sagte der spanische Innenminister: "Wir sind zweifellos besorgt, denn bei ihm (Puigdemont) weiß man nie, was er vorhat."

In der vergangenen Woche hatte sich das Parlament in Barcelona konstituiert, in dem die Unabhängigkeitsparteien bei den Wahlen Ende Dezember eine knappe Mehrheit der Sitze haben. Parlamentspräsident Roger Torrent, ebenfalls ein Separatist, rief Puigdemont zum Kandidaten für das Amt des Regionalpräsidenten aus. Weil ihm in Spanien die Verhaftung droht, hatte Puigdemont vorgeschlagen, sein Regierungsprogramm per Skype zu präsentieren und sich dann in Abwesenheit wählen zu lassen. Das könnte aber an der Geschäftsordnung des Parlaments scheitern. Man geht in Spanien davon aus, dass Puigdemont auf dem Weg ins Parlament verhaftet werden darf, nicht aber während der Debatte im Gebäude.

Bei einem Besuch in Dänemark sagte Puigdemont am Dienstag, seine Rückkehr nach Barcelona wäre gut für die Demokratie in Spanien. Er wolle "in den kommenden Tagen" dazu beitragen, die Demokratie in Katalonien wiederherzustellen. Er bitte deshalb darum, "ohne jedes Risiko" nach Katalonien zurückkehren zu können, um sich im Parlament in Barcelona  wiederwählen zu lassen. Er fordere alle Beteiligten auf, "das möglich zu machen, angefangen mit den spanischen Behörden". Puigdemont äußerte sich aber nicht dazu, ob er tatsächlich zurückkehren wird.